Bausteine für die Einheit der Christen Heft 205, 2017, 57. Jahrgang, Oster- und Pfingstzeit 2017 

Inhalt

Kein Jota geändert und doch alles neu. 2

Maria - Mutter der Kirche. 7

Einheit nicht ohne den Papst 12

Papst Franziskus zur Ökumene. 14

Den Lutherjubel versachlichen. 15

Warum philosophieren wir?. 16

Gott und das Nichts. 18

Sind unsere Bibeln zuverlässig?. 22

Impressum.. 23

Wie Sie unsere ökumenische Arbeit finanziell unterstützen können. 23

 

Marienmonat Mai

In der Mitte zwischen Ostern und Pfingsten liegt der „Marienmonat“ Mai, in dem die Gottesmutter als „Maienkönigin“ mit besonderen Andachten und Blumenschmuck vielerorts besonders geehrt wird. Das ist ein schöner Teil der liturgischen Osterzeit. „Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.“ So singt Maria später in ihrem eigenen Psalm, dem Magnifikat. Was hat denn Gott an ihr gesehen, und wodurch konnte sie des Herrn Magd sein?  Es war allein ihre Bereitschaft, auf Gott zu hören, Ihm zu gehorchen. „Siehe, ich bin des Herrn Magd, mir geschehe, wie Du gesagt hast.“ Damit ist keine spezielle weibliche Tugend gemeint, keine Unterwürfigkeit. Maria ist darin Vorbild für alle Glaubenden jeglichen Geschlechts. Auch ihr Sohn JESUS willigte in den Willen Gottes des Vaters  ein, der Großes, ja Menschenunmögliches von ihm verlangte.  Aber in Gethsemane sagte Jesus: „Vater, nicht wie ich will, sondern wie Du willst.“  Auch  Maria  willigt ein in einen schweren Weg. In ein Leben in Unansehnlichkeit und Erniedrigung bis hin zur Schande; denn sie gerät schuldlos in den Verdacht des Ehebruchs.  Verachtung und Verdächtigung muss sie tragen.  Bis heute ist der Glaube an ihre immerwährenden Jungfräulichkeit dem Spott und dem Unglauben preisgegeben.  Sie hat teil am Schicksal Gottes in dieser Welt. Gott hat durch die Torheit des Evangeliums die Weisheit der Welt zuschanden gemacht. Da ist der Zuspruch durch den Erzengel Gabriel durchaus notwendig: „Fürchte dich nicht!“ Aber nun ist und bleibt Maria die von Gott Begnadete. Sie wird dem Sohn Gottes menschliche Gestalt geben. Und das kommt zum Ausdruck in dem Gottesgebot des Engels, dass sie als Frau und Mutter – was ganz unüblich war – ihrem Sohn den Namen JESUS geben soll. Und ungewöhnlich ist die Verheißung: „Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden.“ D. h. Gott wird JESUS seinen Sohn nennen, bei der Taufe im Jordan, und wir sollen Ihn als Sohn Gottes bekennen. Und dann begleitet Maria ihren Sohn auf seinem Weg hinauf nach Jerusalem, auf seinem Weg zum Sterben am Kreuz.  Auch wir sind berufen, diesen Weg mit unserem Herrn mitzugehen.  Wie Maria sollen auch wir die Freude der Auferstehung erleben, wie Maria und die Jünger an Pfingsten will Gott auch uns mit dem Heiligen Geist erfüllen, und wie Maria führt der Herr auch uns zum neuen Leben in der Herrlichkeit Gottes des Vaters.                                              M. Eyring

Vorstand, Geschäftsstelle und Redaktion wünschen Euch und Ihnen eine gesegnete Osterzeit.

 

Kein Jota geändert und doch alles neu

Zum richtigen Verständnis von Amoris Laetitia

Hansjürgen Knoche

 

Ein Dokument des ordentlichen Lehramts

In Bausteine 204 hatte ich in dem Artikel über Amoris Laetitia, Ehe und Ehescheidung die Meinung kompetenter Theologen erwähnt, dass dieses Schreiben kein Akt des Lehramtes sei, sondern persönliche Überlegungen des Papstes wiedergebe und somit keine ausdrückliche und konsequente Verknüpfung mit den lehramtlichen Texten etwa im Sinn einer Ergänzung oder gar Korrektur enthalte. Inzwischen habe ich mich davon überzeugen lassen, dass diese Meinung nicht zutrifft, vor allem aufgrund des im Folgenden zitierten Aufsatzes von Kardinal Walter Kasper, „Amoris laetitia: Bruch oder Aufbruch? Eine Nachlese“ (Stimmen der Zeit, 11/2016, 723-72). Dieses Schreiben (abgekürzt: AL) ist eine Urkunde  des ordentlichen Lehramts, was sich sowohl aus seiner rechtlichen Form als Nachsynodales Apostolisches Schreiben wie auch aus dem Inhalt ergibt.

Kontroversen

Damit beginnen aber die Meinungsverschiedenheiten, die offenbar eine besorgniserregende innerkirchliche Zerreißprobe auslösen. Ich zitiere  nur drei Beispiele dafür, wie weit die Meinungen auseinandergehen. Der Ordinarius des anglikanisch-katholischen Personalordinariats „Cathedra Petri“ für  Nordamerika und Kanada, 2012 von Papst Benedikt gemäß der Apostolischen Konstitution „Anglicanorum coetibus“ errichtet, betont die uneingeschränkte Gültigkeit von AL, die nicht im Widerspruch zu bisherigen Lehrdokumenten und pastoraler Praxis stehe. Die Bischöfe Maltas lassen wiederverheiratete Geschiedene nun grundsätzlich unter den von der Bischofssynode gemachten Voraussetzungen zu den Sakramenten zu. Der weltbekannte katholische Philosoph Robert Spaemann (vergleiche den Artikel über die Gottesbeweise in Heft 203) sowie die emeritierten Kardinäle Caffarra, Burke, Brandmüller und Meisner  in den von ihnen veröffentlichten „Dubia“ (Zweifelsfragen), sorgen sich, insbesondere das achte Kapitel (Paragrafen 300-305) und die Anmerkung 351 zu Paragraf 305 seien Abweichungen vom bisherigen ordentlichen Lehramt.

[Dort heißt es  in Par. 304: „Ich bitte nachdrücklich darum, dass wir uns an etwas erinnern, das der heilige Thomas von Aquin lehrt, und dass wir lernen, es in die pastorale Unterscheidung aufzunehmen: ‚Obgleich es im Bereich des Allgemeinen eine gewisse Notwendigkeit gibt, unterläuft desto eher ein Fehler, je mehr man in den Bereich des Spezifischen absteigt [...] Im Bereich des Handelns [...] liegt hinsichtlich des Spezifischen nicht für alle dieselbe praktische Wahrheit oder Richtigkeit vor‘…“ und in Par. 305: „Daher darf ein Hirte sich nicht damit zufrieden geben, gegenüber denen, die in ‚irregulären‘ Situationen leben, nur moralische Gesetze anzuwenden, als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft. Das ist der Fall der verschlossenen Herzen, die sich sogar hinter der Lehre der Kirche zu verstecken pflegen, …und – manchmal von oben herab und mit Oberflächlichkeit – über die schwierigen Fälle und die verletzten Familien zu richten.“ Zu beachten sei vielmehr,  „dass man mitten in einer objektiven Situation der Sünde – die nicht subjektiv schuldhaft ist oder es zumindest nicht völlig ist – in der Gnade Gottes leben kann, dass man lieben kann und dass man auch im Leben der Gnade und der Liebe wachsen kann, wenn man dazu die Hilfe der Kirche bekommt“. Hierzu ergänzt Fn. 351: „In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein. Deshalb ‚erinnere ich [die Priester] daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf, sondern ein Ort der Barmherzigkeit des Herrn‘ (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium 14. November 2013)“.

Beispiel Thomas von Aquin

Kardinal Kasper hat nun seine Position wesentlich weiter entwickelt durch eine ausführliche Beschäftigung mit Thomas von Aquin, um „in dem während der Synode aufgekommenen Streit eine gemeinsame mögliche Basis – Thomas gilt ja als doctor communis – zu schaffen“ (Thomas wird nämlich in AL auffallend häufig zitiert). Dem hat Kardinal Schönborn, der im Auftrag des Papstes  AL offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt hatte und als Dominikanertheologe mit Thomas vertraut ist, und schließlich die deutschsprachige Gruppe der Synodenväter insgesamt zugestimmt. Damit ist diese Argumentation in AL eingegangen und zugleich vom Papst wesentlich weitergeführt worden. Die für Thomas (und ihm folgend AL) charakteristische differenzierende Rücksicht auf den konkreten Einzelfall bei der Anwendung (lat. applicatio) einer generell gültigen Norm nennt man Applikationshermeneutik (sie ist auch jedem Juristen bestens bekannt) aufgrund der Tugend der Klugheit. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen objektiver Schuld und subjektiver Zurechenbarkeit der Schuld im Einzelfall. Diese durchaus traditionelle thomistische Hermeneutik war in der katholischen Theologie durch eine undifferenzierte „Norm-Ethik“ in den Hintergrund gedrängt worden.  Kardinal Kasper sagt dazu, der Papst habe sich präzise an die Vorgaben in den abschließenden, mit Zweidrittel-Mehrheit abgestimmten Voten der Synode gehalten, und  habe den Glaubenssinn der großen Mehrheit der Gläubigen auf seiner Seite. Ein neuer realistischer, biblischer und pastoraler Ton sei das Charakteristische an AL. „Es spricht nicht von einem am Schreibtisch ausgedachten abstrakten Familienbild, sondern realistisch von den Freuden wie Schwierigkeiten im Leben der Familien heute. Es will nicht kritisieren und moralisieren, auch nicht indoktrinieren, sondern spricht Sexualität und Erotik offen und unverkrampft an, drückt Verständnis und Wertschätzung für das Gute aus, das sich auch in Situationen finden kann, die der kirchlichen Lehre und Ordnung nicht oder nicht voll entsprechen. Es will auf der Grundlage der Heiligen Schrift Mut machen und einen Weg nach vorne, zum Glück und zur Freude der Liebe, weisen. Charakteristisch für die biblische Orientierung ist das vierte Kapitel, dem Papst zufolge das Herz des ganzen Schreibens, mit der eindrücklichen Auslegung des Hohelieds der Liebe (1 Kor 13)“.

Neuer Verständnishorizont

Wie verhält sich nun AL zu den bisher geltenden Sätzen des ordentlichen Lehramts? Nach Kardinal Kasper stellt AL mit seiner „Applikationshermeneutik“ alle bisherigen Lehrsätze in einen neuen Verständnishorizont.

Ich nehme zur Erläuterung ein Beispiel aus der Summe der Theologie des hl. Thomas,  Frage 58 (Von der Gerechtigkeit), Art. 7: Gibt es neben der allgemeinen Gerechtigkeit eine Einzelgerechtigkeit? (Thomas von Aquin, Summe  der Theologie, deutsch-lateinische Ausgabe der Albertus-Magnus-Akademie Walberberg, 18. Band, 1953, 39 ff.).Er zitiert zunächst Stimmen, nach denen es zwischen der allgemein geltenden Gerechtigkeit und der  Gerechtigkeit im Einzelfall keinen Unterschied geben könne. (Das könnte verglichen werden mit der Ansicht, dass aus kirchlichen Lehrsätzen keine Ausnahmen für Einzelfälle gemacht werden dürfen. Dagegen wendet sich der Papst in AL). Thomas kommt aber zu einem anderen Ergebnis: Es muss neben der Gesetzesgerechtigkeit, die den Menschen unmittelbar auf das Gemeinwohl ausrichtet, auch eine geben, die den Menschen unmittelbar auf die Güter des Einzelnen ausrichtet. Dies gilt zum Beispiel für die Gerechtigkeit der Gattin zum Gatten oder des Vaters zum Sohn. Diesen Personen gegenüber gibt es keine Gerechtigkeit schlechthin, sondern nur eine bestimmte Art der Gerechtigkeit, nämlich „Hausgerechtigkeit“ (Justitia oeconomica). Ganz ähnlich geht der Papst davon aus, wie es auch Kardinal Kasper in seinem  Votum ausgedrückt hat, dass  bei der Anwendung der allgemein geltenden kirchliche Lehrsätze die Rücksicht auf die familiären Verhältnisse, Frauen und Kinder, die Sorge für das Wohl der verlassenen wie der neuen Familie beachtet werden müsse. Das entspricht  der .Intention von AL

Paradigmenwechsel

Kardinal Kasper nennt das einen Paradigmenwechsel: „Ein Paradigmenwechsel ändert nicht die bisherige Lehre; er rückt sie jedoch in einen größeren Zusammenhang. So ändert „Amoris laetitia“ kein Jota an der Lehre der Kirche und ändert doch alles.“ (Hervorhebung von mir) Der Paradigmenwechsel besteht darin, dass „Amoris laetitia“ den Schritt tut von einer Gesetzes- hin zur Tugendmoral des Thomas von Aquin. Damit steht das Schreiben in bester Tradition. „Das Neue ist in Wirklichkeit das bewährte Alte …Sie wendet das durch die Vernunft erkannte Ziel des Menschen, das Gute, in den konkreten Situationen an“.

„Die Klugheit will sagen, was die Norm im Hier und Heute bedeutet. Sie tut das mit Verantwortung im Blick auf die Norm wie im realistischen Blick auf die Wirklichkeit.  Letztlich ist die Klugheit von der Liebe geleitet... Sie ist kein Weichspüler, sondern Augenöffner für das, was in einer Situation wirklich gerecht ist und dem Guten entspricht…  Als Fazit ergibt sich: Die Norm lässt sich nicht gleichsam mechanisch auf jede Situation anwenden. Für ihre angemessene Anwendung bedarf es des Augenmaßes der Klugheit und der Augen der Liebe und der Barmherzigkeit“.

Kein Bruch mit der Tradition

Darum ist auch die Aussage von Johannes Paul II. unumstößlich gültig, wonach eine zivile Ehe bei Fortbestand einer ersten gültigen sakramentalen Ehe in objektivem Widerspruch steht zum unauflöslichen sakramentalen Band der ersten Ehe (vgl. FC 84). Das ist unverrückbare katholische Tradition, die in „Amoris laetitia“ nicht bestritten, sondern bekräftigt wird (AL 73, 77, 123, 214, 297, 319 u. a.).

„Das Gewissen vieler Menschen ist oft gleichsam blind und taub für das, was man ihnen als Gebot Gottes darzustellen versucht. Das bedeutet keine Rechtfertigung des Irrtums, wohl aber Verständnis und Barmherzigkeit mit dem Irrenden (vgl. AL 307 f.)“.

 „Amoris laetitia gibt kein Jota der traditionellen Lehre der Kirche auf. Und doch verändert dieses Schreiben alles, indem es die traditionelle Lehre in eine neue Perspektive stellt“. (Hervorhebung von mir)

Beispiele

In Bausteine-Heft 203 hatte ich (vor der Veröffentlichung von AL) bemerkt: „Übrigens  sehe ich in der bisherigen Praxis ein gewisses moraltheologisches Ungleichgewicht: Wer seine Frau regelmäßig betrügt, das aber immer beichtet, bereut und Besserung gelobt, bleibt (zumindest theoretisch) zu allen Sakramenten zugelassen, aber die völlig schuldlos geschiedene junge Mutter, die ihren minderjährigem Kindern einen neuen Vater geben will, ist, wenn sie wieder heiratet, exkommuniziert.“ Hier kann AL helfen und ihr ein neues erfülltes Ehe- und Familienleben ermöglichen. Ein weiteres Beispiel von vielen, die sich noch finden ließen: Die Kirche muss nun dem Konvertiten, der in seiner evangelischen Landeskirche in Einklang mit deren Moralvorstellungen geschieden wurde und wieder kirchlich getraut worden ist, nicht mehr  sagen: „Herzlich willkommen, aber die Sakramente bekommst du nicht“. 

Der emeritierte Erzbischof von Barcelona, Kardinal Sistach, hat diesen Unterschied zwischen der abstrakten, allgemeingültigen Norm und ihrer Anwendung im konkreten Einzelfall in einem Interview mit einer spanischen Zeitung, das auch im Osservatore Romano abgedruckt wurde, sehr genau wie folgt beschrieben (ich zitiere nach katholisches.info, im Internet eingesehen am 7. 2.  2017): „Amoris Laetitia  ist sehr klar. In der traditionellen Moral gibt es den Grundsatz der entlastenden und mildernden Umstände. Wenn in einer konkreten Situation diese Umstände gegeben sind, kann eine Handlung, die, objektiv betrachtet, moralisch schwerwiegend ist, es subjektiv gesehen nicht sein. Vor allem, wie Franziskus sagt, will die Kirche diesen Menschen helfen, indem sie in die Gemeinschaft integriert werden, einschließlich der Möglichkeit zu kommunizieren. Der Papst spricht nicht von Kategorien von Geschiedenen, er spricht von konkreten Personen. Da ist kein ‚man darf‘ oder ‚man darf nicht‘ zur Kommunion gehen. Es hängt von der Person ab, von den Situationen, von den entlastenden und den mildernden Umständen, von deren Gewissensentscheidung vor Gott. Das ist ein dynamischer und offener Prozess, der mithilfe eines Priesters stattfindet… Die  entlastenden und mildernden Umstände sind ein Grundsatz, der sich auch im Katechismus findet. Das ist die traditionelle Lehre. Johannes Paul II. sagte bereits, dass es dazu dient, von Fall zu Fall zu prüfen. Es gibt keine Änderung der Lehre. Und was Franziskus sagt, meint, dass man mit der Logik des Evangeliums niemanden für immer verurteilen kann. Man spricht von Zweifeln. Welche Zweifel? Kann man oder kann man nicht diesen Grundsatz auf einen konkreten Fall von geschiedenen anwenden? Ja, denn das ist das große Argument“.

(Kardinal Gerhard Müller zitiert in seinem neuen Buch „Der Papst. Sendung und Auftrag“(S.  104-105) ohne weiteren Kommentar seinen Beitrag zu diesen Fragen in der Bischofssynode: „Gottes Barmherzigkeit kann generell nicht als Hinwegsehen über die Sünde und hier speziell als Erlaubnis einer zweiten eheähnlichen Verbindung interpretiert werden, wenn nach menschlichen Maßstäben das eheliche Zusammenleben unerträglich oder langweilig geworden ist. Die Trennung von Tisch und Bett ist eine Notlösung, aber es gibt keine legitime zweite Ehe, solange der Ehepartner noch lebt. Gott erweist den leidenden, den Schwachen und Sündern seine Barmherzigkeit darin, dass er jedem, der demütig darum betet, die Hilfe der Gnade nicht vorenthält. Der Christ vermag auch tiefe Täler des Leidens zu durchschreiten und seine ganze Hoffnung auf die Lösung jenseits der zeitlichen Grenzen in Gott selbst zu setzen. Die Kirche muss dem Wort Gottes in Schrift und Tradition und in der verbindlichen Auslegung des Lehramtes treu bleiben, sonst macht sie sich schuldig am Heil der Seelen… Gottes Barmherzigkeit kann generell nicht als Hinwegsehen über die Sünde und hier speziell als Erlaubnis einer zweiten eheähnlichen Verbindung interpretiert werden, wenn nach menschlichen Maßstäben das eheliche Zusammenleben unerträglich oder langweilig geworden ist. Die Trennung von Tisch und Bett ist eine Notlösung, aber es gibt keine legitime zweite Ehe, solange der Ehepartner noch lebt. Gott erweist den leidenden, den Schwachen und Sündern seine Barmherzigkeit darin, dass er jedem, der demütig darum betet, die Hilfe der Gnade nicht vorenthält. Der Christ vermag auch tiefe Täler des Leidens zu durchschreiten und seine ganze Hoffnung auf die Lösung jenseits der zeitlichen Grenzen in Gott selbst zu setzen. Die Kirche muss dem Wort Gottes in Schrift und Tradition und in der verbindlichen Auslegung des Lehramtes treu bleiben, sonst macht sie sich schuldig am Heil der Seelen“. Auf AL geht das Buch aber noch nicht ein.)

 

 

Maria - Mutter der Kirche

Walter J. Pehl

(Dieser Beitrag basiert auf einer Predigt zum Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, deshalb wird dieses Fest auch stellvertretend für die anderen behandelt. Was für dieses Fest gilt, gilt mutatis mutandis für alle Marienfeste.)

Die  Marienfeste

Über das Kirchenjahr verteilt gibt es eine Anzahl „kleinerer“ Feste, die von Stationen des Lebens der Gottesmutter Maria bestimmt sind. Die wichtigsten unter ihnen sind Mariae (passive) Empfängnis am 9. Dezember, Mariae Geburt am 8. September, Mariae Verkündigung am 25. März, Mariae „Heimsuchung“ (ihr Besuch bei Elisabeth) am 2. Juli, Mariae Reinigung („Mariae Lichtmess“) am 2. Februar und Mariae Aufnahme in den Himmel („Mariae Himmelfahrt“) am 15. August (die Reihenfolge orientiert sich am Leben Marias).

An diesen Festen scheiden sich die Konfessionen. Für die katholische Kirche sind es z.T. sogar Hochfeste; der Protestantismus kennt sie nicht - oder er will sie nicht kennen. Das war nicht immer so; LUTHER hat bekanntlich keine Gelegenheit ausgelassen, Marienfeste zu feiern, und es sind von ihm mehr als 80 Predigten über Maria überliefert. Aber in den Jahrhunderten nach ihm wurde die Gottesmutter mehr und mehr zum unterscheidenden Merkmal der beiden großen Konfessionen. Und je mehr die Marienversessenheit in der einen zunahm, desto mehr die Marienvergessenheit in der anderen - sie schaukelten sich gegenseitig hoch, bis die Marienverehrung in der vorkonziliaren katholischen Kirche geradezu hypertroph wuchernde Züge angenommen hatte und die Protestanten ihr dafür den Stuhl vor die Kirchentür stellten. Dass - zumindest in Deutschland - seit dem II. Vatikanum diese Wucherungen drastisch zurückgeschnitten worden sind, hat sich bei der anderen großen Konfession offenbar noch nicht herumgesprochen: Unter dem Stichwort „Marienverehrung“ findet sich im  (evangelischen) „Theologischen Lexikon“ (Berlin 1983) der Satz: „In den Kirchen der Reformation gilt die Marienverehrung als Beeinträchtigung der in Christus allein gründenden Rechtfertigung.“ Das ist das bedauerliche Ende einer Fehlentwicklung des Protestantismus, und darauf auch noch stolz zu sein, ist in meinen Augen ein Armutszeugnis.

 

 

Der Sinn der Marienfeste

Was also hat  es mit diesen Festen auf sich, dass sich an ihnen nach wie vor die konfessionellen Geister scheiden? Die Marienfeste gehören zu den sehr alten Festen der Christenheit, die sich bis weit ins 5. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Zumindest ein Teil dieser Feste hat seine Wurzeln im NT. Es sind dies Mariae Verkündigung, Mariae „Heimsuchung“ und Mariae Reinigung. Von der Empfängnis Mariens und ihrer Geburt durch Anna berichtet immerhin das apokryphe Proto-Evangelium des Jacobus. Natürlich sind ihre Daten nicht in unserem modernen Sinne „historisch verbürgt“; sie beruhen auf Festlegungen. So hat man z.B. vom Fest der Geburt Christi neun Monate zurückgerechnet und kam auf den 25. März. Zumindest das Fest der koimesis, des „Entschlafens Mariens“ scheint regional an unterschiedlichen Tagen gefeiert worden zu sein, bis dann Kaiser MAURITIOS (582-602) schließlich eine Anordnung erließ, durch die es für die gesamte Kirche des Römischen Reiches auf den 15. August festgelegt wurde. Von den neutestamentlichen Berichten her lässt es sich nicht begründen; für die verschwindet Maria mit dem Beginn der Apostelgeschichte aus dem Blickfeld, weil es jetzt um die Ausbreitung der Heilsbotschaft unter den Völkern geht. Es ist übrigens das einzige der Marienfeste, das mit einem eigenen Dogma verbunden ist:  Maria ist für die Alte Kirche als Mutter des Herrn, als „Gottesgebärerin“ (diesen Titel hat ihr das IV. Ökumenische Konzil von Ephesos zuerkannt) einfach unverzichtbar.

Bedeutung für die Christologie

Es gab in der Antike innerhalb, neben und außerhalb der Alten Kirche eine Menge Strömungen und Richtungen, Sekten und Religionen, denen die menschliche Natur Jesu ein stetes Ärgernis war. Schon die Berichte bei Mk und Mt lassen die Leute fragen: „Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt seine Mutter nicht Maria, und leben seine Verwandten nicht mitten unter uns?“ Und bei Joh argumentieren diejenigen, die nicht an ihn als Messias glauben, ihm gegenüber: „Wo dieser herkommt, das wissen wir. Wenn aber der Messias kommt, weiß kein Mensch, woher er kommt.“ Sie wollen einen Helden, einen machtvollen König als Gesalbten Gottes. Dass es stattdessen jemand aus ihrer Mitte sein soll, will ihnen einfach nicht in den Kopf. Was soll an dem schon so besonders sein? Das gleiche setzen sie von seiner Mutter Maria voraus: Eine Frau, die jeder kennt, die kann doch unmöglich die Mutter des erwarteten Heilands sein! Aber Gott folgt nicht menschlichen, allzu menschlichen Erwartungen und menschlicher Logik. Vor Seinen Augen sind die sogenannten Großen klein und dafür die übersehenen, verachteten Kleinen groß. Der Würzburger Bischof P. W. SCHEELE hat eine Betrachtung über Maria überschrieben: „Eine Mutter in Israel“. In Maria kommt der von Israel erwartete und immer wieder geforderte Gehorsam Gott gegenüber endlich zum Zuge: „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Natürlich hat auch Maria ihre Bedenken und Einwände gehabt. „Wieso gerade ich? Wie soll das wohl zugehen?“, aber sie hat sich nicht hinter ihnen verschanzt, um sich zu verweigern, wie es das Volk Israel immer und immer wieder getan hatte und nichts aus all den Katastrophen hatte lernen wollen. Denn die waren über Israel gekommen, weil es den Willen JHWHs, wie ihn die Propheten verkündet hatten, immer wieder missachtet hatte.

Die Wurzeln der Marienfeste dürften in der Auseinandersetzung der Alten Kirche mit den verschiedenen Häresien zu suchen sein, denn Christologie und Mariologie ergänzten und stützten einander; sie standen miteinander für die Abwehr von Verfälschungen des christlichen Glaubens ein. Deshalb kann man sie auch nicht wirklich voneinander trennen, denn der in dem Christus Jesus menschgewordene Gott hat nun einmal eine menschliche Mutter. Er kommt nicht als strahlender Held mit großem Getöse vom Himmel herab. Er zieht nicht aus unbekannter Ferne herbei, um sich alle Welt zu unterwerfen, die vor ihm als dem pompösen Bringer des Heils im Staub liegen muss. Er erscheint auch nicht aus dem Nichts wie Superman, um die Bösen dieser Welt auszurotten, und zieht sich wieder ein unbekanntes Nirgendwo zurück. Sondern er beginnt sein irdisches, menschliches Dasein wie jeder andere Mensch auch, mit Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt durch seine Mutter Maria als ein hilfloses Wesen, das ohne die Fürsorge seiner Eltern keine Überlebenschance hätte. Und er beendet sein irdisches, menschliches Dasein auch nicht als der große Imperator, der aller Welt seinen Frieden aufgezwungen hat, als strahlender Sieger über alles Böse und alle Bösen. Nein, er stirbt nicht nur einen durch und durch menschlichen Tod, sondern er wird als Verbrecher hingerichtet, und das auch noch vor den Augen seiner Mutter Maria. Was muss bei diesem Anblick in ihrem Herzen vorgegangen sein? Wie erschreckend muss ihr die Weissagung des greisen Simeon wieder eingefallen sein, dass ein Schwert ihre Seele durchdringen werde? Und welches Erstaunen, welche Freude mag sie empfunden haben, als ihr die Nachricht von der Auferstehung ihres Sohnes überbracht wurde? Wer also vom Christus Jesus reden will, der muss immer auch,  er mag wollen oder nicht, von seiner Mutter Maria reden. Denn sie verhindert, dass Jesus ein Irgendwer, eine Chimäre, ein bloßes Kürzel für ein „Leben zum Wohlgefallen Gottes“ wird, das ein jüdischer Wanderprediger verkündet haben soll. Von solchen Wanderpredigern gab es zu Jesu Zeiten mehr als genug; von kaum einem wissen wir heute noch den Namen. Aber wir wissen, auf welche Ablehnung das Menschsein des Christus Jesus stieß. Die verschiedensten Spielarten der Gnosis konnten mit Jesu menschlicher Natur nichts anfangen. Insbesondere sein menschliches Leiden, sein menschlicher Tod war ihnen ein stetes Ärgernis; sie dichteten ihm deshalb gern einen Scheinleib an, an dem als an einer Attrappe sich Römer und Juden sinnlos abarbeiten durften, oder sie griffen gar zu jener Auch-Lösung, die dann vom Islam übernommen worden ist: Der Sohn Gottes habe an seiner Stelle einen „nützlichen Idioten“ kreuzigen lassen. In solchen Theorien ist kein Platz für Maria, denn in ihnen ist Jesus kein Mensch.

Mariologie und Christologie

Aber wer von Maria reden will, der muss auch von Jesus reden. Ohne ihren Sohn, den Sohn Gottes, wäre Maria eine der zahllosen jüdischen Frauen im römisch besetzten Lande Israel, von der wir rein zufällig den Namen wüssten. Maria - Mirjam - war ein Allerweltsname. Aber weil sie sich Gott ganz zur Verfügung stellte, radikaler und umfassender als jede Frau vor und nach ihr, deshalb ist sie auch in besonderer Weise aus allen herausgehoben. Ohne sie hätten wir zwar gewiss auch das Heil, aber ohne sie hätten wir nicht den Heiland. Dass auch Jesus um diese Besonderheit wusste, sollte uns nicht wundern - er widerspricht ja nicht jener Frau, von der Lk berichtet, sie habe Marias Schoß und Brüste seliggepriesen, weil sie ihn getragen und genährt hätten. Hätte er das für falsch gehalten, so hätte seine Erwiderung mit einem „Nein“ beginnen müssen; stattdessen weitet er diese Seligpreisung mit einem „Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren“ ins Universale aus. Und dass auch die Apostel in Maria etwas Besonderes gesehen haben, wird durch einen Vergleich deutlich: In der Apostelgeschichte bleiben sie bei ihr, in ihrem Hause, und betrachten sie so als ihresgleichen; im apokryphen Petrusevangelium dagegen stellen sie klar, dass sie ja nur eine Frau sei und also im künftigen Reich Gottes nichts zu suchen habe! Ein solches Denken war damals gang und gäbe - im berühmten 18-Bitten-Gebet, das ebenfalls aus dieser Zeit stammt, dankt der fromme Jude Gott dafür, dass er ihn nicht als Tier, nicht als Frau und nicht als Heide erschaffen habe: Diese Reihenfolge spricht Bände, denn ein Heide kann sich immerhin bekehren, aber eine Frau bleibt immer eine Frau! Und genau dies eben ist im Denken Jesu und der Seinen das ganz andere, neue, dass sie die Frau in einer bislang völlig unbekannten Weise - wieder, so muss man sagen -  als Mensch wahrgenommen haben.

Mariologische Dogmen und Titel

Das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel ist erst 1950 verkündet worden und steht damit, am Vorabend des Konzils, am Ende einer Entwicklung, die den Blick immer weiter auf Maria fokussiert und  sie dabei ihrem Sohn  mehr und mehr gleich gemacht hat. 431 hat das schon erwähnte Konzil zu Ephesos ihr den Ehrentitel theotokós, Gottesgebärerin, zugesprochen. (Es sei daran erinnert, dass das Ephesinum das vierte der sieben Ökumenischen Konzilien war, die auch das Luthertum als für sich gültig betrachtet.) Im späten Mittelalter begann man Maria sogar gegen ihren Sohn auszuspielen, was sich in Sätzen wie z.B. „Christus will richten, Maria will retten“ äußerte. Nach der Reformationszeit erhob sie die katholische Kirche zur „Himmelskönigin“. Wohl von Lateinamerika ausgehend, kam dann die Zeit der Marienerscheinungen (Fatima und Lourdes sind die bekanntesten unter ihnen), und vom II. Vatikanum wurde allgemein erwartet, es würde sie zur corredemptrix, zur „Miterlöserin“ hochstilisieren. Diese Entwicklung ist nicht eingetreten; es hat Maria als „Mutter der Kirche“ eindeutig aus der Soteriologie aus- und in die Ekklesiologie eingeordnet. Hier hat sie einen wichtigen Platz, denn sie macht deutlich, dass die Aufgabe der Kirche das Dienen ist und nicht das Herrschen. Das Dogma von 1950 verstehen wir deshalb auch nicht als Parallele zur Himmelfahrt Jesu, sondern als Zeichen, als Vorwegnahme dessen, was uns allen nach unserem irdischen Leben zugedacht ist - ganz und immer bei Gott zu sein.

Protestantische Missverständnisse

Dass es nach wie vor Menschen gibt, die es missverstehen - oder missverstehen wollen - sollte uns nicht irre machen: Als Mutter unseres Herrn Jesus Christus hat Maria eine einmalige Stellung in der Heilsgeschichte, die ihr niemand nehmen kann, ohne unseren christlichen Glauben bis zur Unkenntlichkeit zu verdrehen. Daran ändert auch nichts, dass dieses Dogma von den anderen Konfessionen - zumindest noch - nicht anerkannt ist: Der Sache nach, auch wenn es nicht den Rang eines Dogmas hat, ist es für die orthodoxen Kirchen eine Selbstverständlichkeit, dass die Mutter des Herrn nicht sang- und klanglos im Dunkel der Geschichte verschwunden ist; schon frühbyzantinische Ikonen (in denen ja wesentliche Glaubensinhalte für die des Lesens Unkundigen dargestellt sind) zeigen, dass bei ihrem Tode im Kreise der Apostel Christus zugegen ist, um ihre Seele in Empfang zu nehmen. Und auch im Protestantismus gab es, wie schon erwähnt, durchaus Formen der Marienverehrung. Dass er heute davon nichts mehr (oder noch nicht wieder) wissen will, ist bedauerlich, aber es muss vielleicht nicht bis in alle Ewigkeit so bleiben, denn es beruht auf einem Missverständnis: Eben weil Maria keine Miterlöserin ist, kann sie gar nicht in Konkurrenz zum Erlöser Christus treten (wie das eingangs erwähnte DÖPMANN-Zitat uns weismachen will). Aber ohne sie hätten wir ihn nicht; das ist wohl auch evangelischen Christen klar. Ansätze zu einer evangelischen Mariologie gibt es seit längerem wieder (der wohl bedeutendste stammt von HANS ASMUSSEN); er braucht sich nur auf sie zu besinnen. Denn als „Mutter der Kirche“ trennt Maria die Konfessionen nicht - sie verbindet sie.  (Zwischenüberschriften von der Redaktion)

 

 

Einheit nicht ohne den Papst

Kardinal Müller stellt die ökumenische Trennlinie klar

Hansjürgen Knoche

 

Divergierende Vorstellungen

Die ökumenische Entwicklung stagniert vor allem deshalb, weil die entscheidenden Streitfragen  bis heute ungelöst sind, nämlich  das Verständnis von Kirche, kirchlichem Amt, Bischofsamt, apostolischer Sukzession, weltweiter Gemeinschaft der Bischöfe untereinander und mit dem Papst und nicht zuletzt, von dem allen nicht zu trennen, das Petrusamt des Papstes selbst. Ohne die Lösung dieser Fragen ist kirchliche Einheit nicht möglich, auch wenn immer wieder utopische Ersatzlösungen vorgetragen werden. Manchen hochkirchlich-katholisch orientierten evangelischen Geistlichen schwebt eine sozusagen zweibeinige Lösung vor: Einerseits in der Landeskirche bleiben (und von dieser besoldet und versorgt werden), andererseits irgendwie in der katholischen Kirche integriert werden. Seit Jahrzehnten ist geklärt, dass dies eine für beide Seiten inakzeptable Utopie ist [1]. Der Vorsitzende des Rates der EKD, Landesbischof Bedford-Strohm, mutete dem Papst beim jüngsten Besuch in Rom eine Vorstellung von  „versöhnter Verschiedenheit” nach dem Modell der  Leuenberger Konkordie zu, mit der sich  protestantische Kirchen 1973 auf eine Abendmahlsgemeinschaft trotz verbleibender fundamentaler Lehrunterschiede geeinigt hatten [2].  In der Grundsatzerklärung der Hochkirchlichen St.-Johannes-Bruderschaft „Das kirchliche Amt in der Nachfolge der Apostel“ wird das „subsistit“ (ist verwirklicht) in LG 8 aufgegriffen (um nicht zu sagen: usurpiert) und ausgeführt: „Die Hochkirchliche St.-Johannes-Bruderschaft sieht in der bischöflichen Apostolischen Sukzession und dem dreigegliederten Besonderen Dienstamt eine der möglichen, an biblischer Tradition und an der gemeinsamen Überlieferung orientierte Konkretion der Kirchenattribute des Glaubensbekenntnisses der „einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche“, die in Teilkirchen subsistiert …. Sie ist als Eine  Heilige Kirche verwirklicht in allen Konfessionskirchen, den Ortskirchen, den Ortgemeinden und Christlichen Gemeinschaften. In ihnen allen subsistiert die Eine Heilige Kirche“ (Hervorhebungen von mir). Das ist aber nichts anderes als die etwas aktueller formulierte  privattheologische Ekklesiologie Friedrich Heilers, des Gründers dieser Gemeinschaft, die niemals ökumenische Akzeptanz gefunden hat. Führende Mitglieder der Gemeinschaft nennen das denn auch bezeichnenderweise den „dritten Weg“ [3]. Die „Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften“ (IKBG) hat in  ihrer  2015 erschienene „Salzburger Erklärung“ („Die heutige Bedrohung der menschlichen Geschöpflichkeit und ihre Überwindung. Leben nach dem Schöpferwillen“) wie immer  große überkonfessionelle Zustimmung gefunden; sie beruht freilich auch darauf, dass die IKBG sich bisher nie zu den eingangs genannten ekklesiologischen Fragen geäußert und strikte konfessionelle Neutralität gewahrt hat. Am Ende der Salzburger Erklärung wird aber nun erstmals in einer Fußnote  ausgesprochen, was die IKBG unter Kirche versteht: „Die hier genannten vier Wesenseigenschaften der Kirche Jesu Christi finden sich im Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (dem sog. Nizänum), das zu den gemeinsamen Bekenntnissen der katholischen und der orthodoxen Kirchen, der lutherischen und der anglikanischen Kirchen gehört. Der Begriff „katholisch“ ist in diesem Bekenntnis noch vorkonfessionell (da es noch keine Kirchenspaltung gab). Er ist daher nicht auf die römisch-katholische Kirche beschränkt, sondern bezieht sich auf die ganze (jede spezielle Konfession übergreifende) Kirche“. Wie man den vorkonfessionellen, die eine ungeteilte Kirche bezeichnenden Begriff der Katholizität im Nizänum auf die konfessionell gespaltene Vielfalt der heutigen „Kirchen“ übertragen kann, erscheint mir nicht als  nachvollziehbar. Ist das mehr als eine Nominal-Katholizität, die praktisch auf die Leuenberger Konkordie hinauslaufen würde? [4].  Nominal-katholisch scheinen mir auch alle hochkirchlichen „Weihen“ von „Bischöfen“, „Priestern“ und „Diakonen“ zu sein, weil sie nicht in die Gemeinschaft der Bischöfe mit dem Papst „ordiniert“ sind und nach der Maxime klingen: Wir sind nun katholisch genug, und Rom möge das  endlich anerkennen.

Die notwendige Klarstellung

„ Kardinal Müller bürstet die Ökumenedebatte gegen den Strich“ formuliert Thomas Jansen drastisch zutreffend in KNA-ÖKI [5] zu dem neuen Buch von Gerhard Kardinal Müller „Der Papst – Sendung und Auftrag“ [6]. Das VI. Kapitel lautet „Der protestantische Grundentscheid gegen den römischen Papst“, das XI. Kapitel „Der Papst – Wegbereiter der Einheit der Christen in der Kirche Gottes“ und dessen 4. Abschnitt „Die Kirche Christi – verwirklicht in der katholischen Kirche“. „Während sonst im Lutherjahr nur wenig von den noch bestehenden Unterschieden und viel von den Gemeinsamkeiten die Rede  ist, benennt der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation hier klar, präzise und ohne Polemik die entscheidenden Unterschiede, die Katholiken und Lutheraner auch weiterhin trennen …  Der tiefstgreifende und offensichtlichste Gegensatz zwischen Katholiken und Protestanten ist der Papst selbst, beziehungsweise das Kirchenbild, das in diesem Amt kulminiert. Damit setzt Müller einen Kontrapunkt zum Mainstream des ökumenischen Reformationsgedenkens“ (Jansen a.a.O.). Das ist auch dringend nötig. Für evangelische Christen aber, die einen korporativen Eintritt in die katholische Kirche unter Bewahrung ihrer gesamtchristlich legitimen Traditionen analog „Anglicanorum coetibus“ ersehnen, sind die beiden folgenden Stellen eine Mahnung und Ermutigung, in ihrem Anliegen nicht nachzulassen und utopischen Ersatzlösungen wie den eingangs genannten zu widerstehen:

 „Da katholisch gedacht die Einheit eigentlich in der pilgernden Kirche sichtbar, d.h. als Zeichen für die Einheit mit Gott, verwirklicht sein muss, kann die Einheit der Christen sich nur als communio ecclesiarum im Bekenntnis des eigenen Glaubens, der Sakramente und der kirchlichen Leitung und Gemeinschaft vollziehen. Für alle, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, ist es für ihre Rettung unumgänglich, dass sie dem sichtbaren Verband mit Christus angehören, der durch den Papst und die Bischöfe geleitet wird (LG 14)“  ( S. 510).  „Der Weg kann nicht eine Rückkehrökumene sein, bei der die evangelischen Christen ihre Gemeinden auflösen und sich dem zuständigen Bischof und damit auch dem Papst unterstellen und sich einfach in die bestehende katholische Kirche hinein auflösen. Damit wären sie gezwungen, die letzten 500 Jahre ihres Christseins als einen Irrweg sondergleichen zu verdrängen. Einen Weg für die Anglikaner, die die volle Gemeinschaft mit Rom suchen und doch so weit wie möglich ihre legitimen Traditionen bewahren möchten, hatte Papst Benedikt XVI. aufgezeigt mit der apostolischen Konstitution Anglicanorum coetibus – Über die Errichtung von Personalordinariaten für Anglikaner, die in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche eintreten (4. November 2009)“. (S. 511).

Anmerkungen

[1] H. Knoche, Eine ökumenische Utopie, KNA-ÖKI 30, 29..16 S.10; Bausteine Heft 204, 2016/17. -  [2]  Ein neues Kapitel aufschlagen - Rede vor Papst Franziskus am 6. Februar 2017 Von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Quelle KNA 170206-89-00184#1. - [3] H. Knoche, Hochkirchler vor der Entscheidung, Bausteine Heft 194, 2013 und KNA-ÖKI 35, 27. 08. 2013, Thema der Woche. -  [4] H. Knoche, Neutralität aufgeben? Zur ökumenischen Bedeutung der IKBG. KNA-ÖKI 12-13, 22. März 2016, 17 ff. - [5] 27.02.2017,  KNA 170227-89-00148#7. -  [6] Freiburg 2017, 605 Seiten, 29,99 €,  ISBN 978-3-451-37758-7.

 

 

Papst Franziskus zur Ökumene

Der Papst hat zur Eröffnung der jährlichen Plenarsitzung des päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen einige grundsätzliche Ausführungen zur Ökumene gemacht. (Die Plenarsitzung behandelt das Thema „Christliche Einheit: Welches Modell für  Abendmahlsgemeinschaft?“). Christliche Einheit sei ein wesentliches Erfordernis unseres Glaubens, das dem Inneren unseres Seins als Gläubige Jesu Christi entspringe. Nach seinen wichtigen ökumenischen Begegnungen in diesem Jahr sowohl in Rom als auch während seiner apostolischen Reisen könne er bestätigen, dass die Sehnsucht nach Abendmahlsgemeinschaft (Communion), eines seiner wichtigsten persönlichen Anliegen, lebendig und stark sei. Wir wünschten, in Einheit zu leben, weil wir wünschten, Christus nachzufolgen, seine Liebe zu leben, sie zu gewinnen als dem Wunder seiner Einheit mit Gott dem Vater, die entsprechend dem hohenpriesterlichen Gebet Jesu zu uns als Geschenk in Jesus Christus kommt, und  auch dem Denken und der  Lehre ihren Inhalt gibt. Ein Übereinkommen (Agreement) darüber, wie  das Evangelium zu verstehen ist, reiche aber nicht aus, denn es müsse Einheit in Christus geben. Es gehe um unsere personale und gemeinschaftliche Hinwendung (Konversion), unser schrittweises gleichförmig werden mit ihm. Diese Gemeinschaft (Communion) sei die Seele, die alle anderen ökumenischen Anstrengungen und Studien.

Der Papst nannte dann einige falsche Modelle der Einheit (Communion): Sie sei nicht die Frucht unserer menschlichen Anstrengungen und keine Konstruktion kirchlicher Diplomatie, sondern ein Geschenk, das von oben komme. Aus dieser Sicht sei Einheit eher eine Reise als ein Ankommen. Einheit bedeute auch nicht Uniformität. Die verschiedenen theologischen, liturgischen, spirituellen und rechtlichen Traditionen, die sich in der christlichen Welt entwickelt haben, wenn sie in  ihren Ursprung verwurzelt sind in  apostolischer Tradition, seien ein Wert und keine Minderung für die Einheit der Kirche. Der Versuch, diese Vielfalt zu unterdrücken, wäre gegen den Heiligen Geist. Dieser wolle die Gemeinschaft der Glaubenden mit einer Vielfalt (variety) von Gaben bereichern. Einheit sei ferner auch nicht Absorption, sie führen nicht zu einer Rückkehrökumene, für die man die Geschichte des eigenen Glaubens verleugnen müsse. Bevor man sehe, was uns trennt, müsse man wahrnehmen, welche existenziellen Schätze wir gemeinsam haben, wie die Heilige Schrift und die großen Glaubensbekenntnisse der ersten ökumenischen Konzile. Auf diese Weise könnten wir Christen uns als Brüder und Schwestern verstehen, die an den einen Herrn und Heiland Jesus Christus glauben und gemeinsam aufgerufen sind, den Weg zur vollen Gemeinschaft zu finden.

Sein kürzlicher Besuch in Lund, sagte der Papst, habe ihn an die Wichtigkeit des ökumenischen Prinzips erinnert, das der Weltkirchenrat 1952 formuliert habe: Dass Christen in allen Angelegenheiten zusammenarbeiten sollten, außer in solchen, wo tiefgreifende Differenzen in Glaubensüberzeugungen uns noch nötige,  getrennt zu handeln.

(Quelle: Zenit 10. 11. 16, Originaltext englisch)

 

 

 

Den Lutherjubel versachlichen

 

Dass die Differenzen im Kirchenverständnis überwunden werden müssen, wird im Lutherjahr zwar nicht verschwiegen, aber doch eher kleingeschrieben. Das prominenteste Beispiel dafür ist die gemeinsame Erklärung, die Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Mounib Younan, am Reformationstag 2016 im schwedischen Lund unterzeichneten. 

Dagegen sagt der Schriftsteller Michael Lösch: Luther war ein „heiliger Krieger“. Er  betrachtet Martin Luther als radikalen Geist. „Er war ein – wenn man seine Schriften beim Wort nimmt – heiliger Krieger“, sagte er. Gnadenlose Aussagen gegenüber den Bauern oder Beschimpfungen von Juden entsprächen einem christlichen Theologen nicht. Ohne Luther hätte es „auf jeden Fall weniger Krieg gegeben“. Etwa beim Dreißigjährigen Krieg hätten religiöse Überzeugungen Öl ins Feuer gegossen. Löschs Buch „Wäre Luther nicht gewesen“  (Januar 2017) ist kritisch, aber im Sinn einer Versachlichung nachdenkenswert. Der Erfolg des Reformators sei durch den Buchdruck begünstigt worden – und durch die katholische Kirche. „Die hatte sich mit ihrem weltlichen Gebaren dermaßen aus dem Fenster gelehnt, dass wirklich alle dorthin guckten“, erklärte der Autor. „Es gärte allenthalben.“ Luthers Kritik sei also auf offene Ohren gestoßen. Heute wünsche er sich eine neuerliche Reformation. „Wenn man sich mit Luthers Schrifttum aus heutiger Perspektive auseinandersetzt, bleibt nicht mehr viel, um das am Leben zu halten, was man ‚evangelisch‘, Augsburger Bekenntnis oder was auch immer nennt.“ Ein solcher Prozess der Erneuerung müsse jedoch „demokratisch, über einen breiten Disput, langsam, über Reformen“ erfolgen.

Der frühere Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio hält das gegenwärtige Gedenken an 500 Jahre Reformation für unzureichend. Es nehme die Lehren aus der damaligen Zeit für die gegenwärtigen Herausforderungen zu wenig in den Blick, sagte er in einem Vortrag in Berlin. Er nannte etwa die Infragestellung der westlichen Werteordnung durch wachsenden Populismus und „Autokraten“ in Russland, China und der Türkei. Folgen der Reformation wie der Dreißigjährige Krieg zeigten, wie wichtig es sei, an normativen Grundlagen wie der Forderung nach Toleranz und Einhaltung der Menschenrechte festzuhalten. Insofern habe die Erinnerung daran ein „gewaltiges Potenzial“. Eine solche Perspektive komme beim Gedenken der Evangelischen Kirche in Deutschland jedoch „praktisch nicht vor“. So bringe man sich um die Früchte eines solchen Jubiläums.  Di Fabio räumte ein, dass sich Luther und andere Reformatoren mit Blick auf Toleranz auch widersprüchlich verhalten hätten. So hätten sie Gewissensfreiheit in Fragen ihres Glaubens gefordert, sich selbst jedoch gegenüber anderen Auffassungen oft wenig tolerant gezeigt. Auch heute gebe es die Furcht, dass durch Zuwanderung aus außereuropäischen Ländern Glaubenskonflikte wieder „importiert“ würden. Di Fabio leitet  den Wissenschaftlichen Beirat für das Reformationsgedenken.

(Quelle: kath.info)

 

 

Warum philosophieren wir?

Hansjürgen Knoche

 

Notwendige Fragen

Sicherlich ist Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, schon aufgefallen, dass wir uns zurzeit häufig mit philosophischen Fragen (christliche Philosophie, Gottesbeweise usw.) befassen. Sie könnten jetzt sagen: Was soll uns das? Wir wissen doch, an wen und was wir glauben. Dazu sagt der große Philosoph, Theologe, Mathematiker und Naturwissenschaftler René Descartes (1596 - 1650) in dem Schreiben an die Universität Paris (Sorbonne) zu  seinen „Meditationen über die erste Philosophie, in denen die Existenz Gottes und die Unsterblichkeit der  Seele bewiesen wird“ (Zitiert nach: Philosophische Bibliothek Bd. 596, Hamburg 2009, übersetzt und herausgegeben von Christian Wohlers): „Ich bin schon immer der Ansicht gewesen, dass die beiden Fragen nach Gott und der Seele die wichtigsten von jenen Fragen sind, deren Beweis eher mithilfe der Philosophie als der Theologie geführt werden muss. Denn obwohl es für uns Gläubige ausreichend ist, aus dem Glauben heraus zu glauben, dass die menschliche Seele nicht mit dem Körper untergeht und Gott existiert, so scheint es, dass man die Ungläubigen ganz gewiss von keiner Religion und fast ebenso wenig von irgendeiner moralischen Tugend überzeugen kann, wenn man ihnen diese zwei Fragen nicht zuvor durch die natürliche Vernunft nachweist.… Es ist ganz und gar wahr, dass die Existenz Gottes geglaubt werden muss, weil dies ja in den Heiligen Schriften gelehrt wird, und umgekehrt den Heiligen Schriften zu glauben, weil Gott sie uns gegeben hat… Das ergibt sich nämlich aus folgenden Worten Weisheit 13,8-9: dies vermag sie nicht zu entschuldigen. Wenn sie nämlich so vieles haben wissen können, dass sie sich über die zeitlichen Dinge Rechenschaft ablegen konnten, wieso haben Sie deren Herrn nicht leichter angetroffen‘  Und im Römerbrief, Kapitel 1,20 heißt es, jene seien ‚nicht zu entschuldigen.… Was von Gott bekannt ist, ist ihnen offenbar‘“.

Verteidigung des Glaubens

Darum geht es. Wir Christen und unsere Kirchen sind der größten Verfolgung, die es bisher weltweit gegeben hat, ausgesetzt. Sie wird mit Massenmord, Terror, Vertreibung und Zerstörung ausgeübt, aber auch mit Herabsetzung, Schmähung und Verleumdung. Die tückischste Art der Verfolgung ist zurzeit eine weltweit verbreitete Pseudo-Philosophie, die behauptet, alles lasse sich naturwissenschaftlich und nur so erklären, und damit seien Theologie und Philosophie erledigt. Das alles klingt ungemein gelehrt und scharfsinnig, viele werden dadurch verunsichert oder ganz davon abgehalten, sich mit dem Glauben überhaupt zu befassen. Größenwahnsinnige Sätze wie die Philosophie sei tot oder die Physik habe  die Aufgabe der Theologie  zu übernehmen (S. Hawking, F. J. Tipler) sind in Wirklichkeit schlechte Philosophie statt Wissenschaft. Sie „beantworten“ nämlich genau die Fragen, die Philosophie und Theologie stellen: Wer bin, woher komme ich? Wie verstehe ich die Welt? Was habe ich zu hoffen und was soll ich tun? Darauf antworten sie: Ich bin das zufällige Produkt von Quantenfluktuationen in einem aus ungezählten Möglichkeiten zufällig entstandenen Universum. Diese ganze Welt besteht aus Zufällen, die von Naturgesetzen, im Grunde nur von der Schwerkraft, gesteuert werden. Es liegt kein Sinn im Universum.  Zu hoffen habe ich allenfalls auf ein befriedigendes Leben, denn nach meinem Tod ist alles aus. Was ich tun soll? Mich möglichst anständig verhalten, etwas Sinnvolles gestalten und allen religiösen und philosophischen Aberglauben vermeiden.

Christliche Philosophie ist notwendig

Darauf müssen auch wir Christen, dem Rat Descartes entsprechend, zunächst einmal mit besserer Philosophie antworten, und das können wir auch, denn christliche Philosophie ist unserem Glauben nicht fremd. Schon die frühen Christen haben sich in Abgrenzung gegen andere Religionen und heidnischen Aberglauben auch als die besseren Philosophen verstanden. Die großen Kirchenväter wie z. B.  Tertullian oder Augustin waren auch große Philosophen. Die trinitarischen und christologischen Streitfragen bis zu den Konzilen von Nicäa und Konstantinopel wurden mit Kategorien der griechischen Philosophie ausgetragen und schließlich geklärt. Thomas von Aquin hat die philosophische Frage, ob Gott überhaupt existiert, als „Präambel des Glaubens“ (praeambula fidei) vor alle seine Theologie gestellt. Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI. hat diese Entscheidung der frühen Kirche für den Logos der Philosophie als eine der wichtigsten kirchengeschichtlichen Weichenstellungen bezeichnet. Er schreibt,  „dass der christliche Glaube inhaltliche Wahrheiten behauptet, die er nicht einer völlig offen bleibenden symbolischen Auslegung unterwirft, sondern als unmittelbar geltende wahre Aussagen versteht. Dies gilt sowohl im Bereich der Geschichte wie im Bereich der Philosophie: der christliche Glaube behauptet, dass dieser Jesus zu einer bestimmten Zeit gelebt habe, gestorben und auferstanden sei. Er behauptet, dass derselbe Gott, der in Christus Mensch wurde, Schöpfer der Welt ist. Mit solchen Behauptungen greift der christliche Glaube über den Raum einer bloß symbolischen Erkenntnis hinaus in den Bereich der historischen und philosophischen Vernunft ein“. (Theologische Prinzipienlehre. Bausteine zur Fundamentaltheologie. München 1982, Seite 343).

Zum Bruch mit dieser christlich-philosophischen Tradition ist es erst im Spätmittelalter durch eine den Glauben dann eher verdunkelnde Entartung philosophischen Denkens im  Nominalismus gekommen. Gegen ihn richtete sich Luthers „Kampf um die Freiheit der Theologie von der Philosophie“. Aber Theologie, die glaubt, Philosophie verachten zu dürfen, wie etwa auch Karl Barths „Dialektische Theologie“, ist unfähig, sich Nichtchristen verständlich zu machen und ihnen Rechenschaft über die Vernünftigkeit des Glaubens zu geben.  Deshalb gehört es zum Verständnis unseres Glaubens, dass wir ihn gegen  ideologische Anmaßungen verteidigen,  Zweifelnden und Verunsicherten damit Mut zum Glauben machen und unseren Glauben so  bezeugen, dass er den Irrtum überwindet.

 

 

Gott und das Nichts

Warum aus nichts nichts wird

Hansjürgen Knoche 

 

Neulich schrieb wieder einmal ein Naturwissenschaftler, die „Entdeckung des Nichts“  durch die moderne Physik habe  grundstürzende Auswirkungen  auf Philosophie und Theologie. Wenn diese nicht die umwälzenden  Erkenntnisse der Physik aufnähmen, würden sie zu reinen Fantasiegebilden. Was ist an dieser Behauptung wirklich neu? Die Naturwissenschaftler geben (meistens) zu, dass es das „absolute“ Nichts nicht geben könne, aber ein „relatives“ Nichts, und diese beiden Begriffe hätten bisher Philosophie und Theologie nicht genügend auseinandergehalten.

 (Was nur rein terminologisch stimmt, weil es bisher nicht sehr wichtig war, zu unterscheiden, ob man sagte, Gott habe die Welt aus dem Nichts geschaffen oder er habe sie aus nichts geschaffen.  Da das Lateinische, ähnlich wie heute das Russische, keine Artikel hat, kann „nihil“ ebenso „nichts“ wie „ein/das Nichts“, „eine/die Null“ etc. bedeuten. Theologisch ist aber klar, dass Gott die Welt nicht „aus dem Nichts“, sondern „aus nichts“ erschafft:  „ex nihilo secundum totam suam substantiam“, aus nichts seiner ganzen Substanz nach, wie das I. Vatikanische Konzil, DH 3025, lehrt. Gott „ruft das, was nicht ist, dass es sei“, Röm 4, 17, lat. „vocat ea quae non sunt“, noch klarer griech. ta me onta = das nicht Seiende).

Dieses angeblich neu entdeckte,  alles Denken  verändernde Nichts ist in Wirklichkeit aber nicht nichts, sondern das so genannte physikalische Vakuum. Dieses sei, wird behauptet, der eigentliche physikalische Grundzustand unseres Universums. Es sei jener Zustand, in dem alle (!) Möglichkeiten vorhanden seien, aber (noch) keine von ihnen verwirklicht sei. Aus diesem Vakuum kämen also alle Wirklichkeiten (!) hervor.  Die Wirklichkeit sei  eine begrenzte Auswahl aus den  im Nichts vorhandenen Möglichkeiten.

Diese Unterscheidung zwischen dem absoluten und dem relativen Nichts ist von dem Scholastiker Johannes Duns Scotus  (1266-1308) erfunden worden, was Naturwissenschaftler natürlich nicht zu wissen brauchen. Der manchmal etwas überscharfsinnige Iroschotte  wäre aber nie auf die absurde Idee gekommen, es könne sich aus diesem „relativen Nichts“ irgendetwas spontan von selbst erzeugen, wie uns heute eingeredet werden soll. Schon Leibniz hat in dieser Sache in der letzten Abhandlung seiner Theodizee (Die Sache Gottes verteidigt durch die Versöhnung seiner Gerechtigkeit mit seinen übrigen Vollkommenheiten und mit all seinen Handlungen,  n. 7 und 8) entsprechend klargestellt: „Die Abhängigkeit der Dinge von Gott erstreckt sich sowohl auf alles Mögliche, oder auf das, was keinen Widerspruch enthält (Ein „vierseitiges Dreieck“ kann also auch Gott nicht erschaffen, da schon die Vorstellung davon in sich widersprüchlich ist. Das gehört in das „absolute“ Nichts im Sinne von Duns Scotus. H.K.) wie auch auf alles Wirkliche. Die Möglichkeit der Dinge, die nicht wirklich bestehen, hat in dem göttlichen Dasein ihrer begründeten Wirklichkeit, denn wenn Gott nicht wäre, so würde es auch nichts Mögliches geben; das Mögliche ist daher von Ewigkeit in den Vorstellungen des göttlichen Verstandes enthalten“.-

Verkappter Atheismus

Im Übrigen, gesteht unser Naturwissenschaftler zu, sei es ziemlich gleichgültig, ob man dieses Vakuum als das Nichts, als Raumzeit-Schaum, Vakuumfluktuation, Singularität, Quantenvakuum, Quantenchaos oder anders bezeichne. Man könne diesen Zustand ohnehin nicht eindeutig beschreiben, da er alles das umfasse, was auch nur im Prinzip möglich sei. Warum beharrt man dann aber auf der Bezeichnung „das Nichts“, obwohl es doch nach der eigenen Behauptung nicht nichts ist? Das hat nichts mehr mit Physik zu tun, sondern ist nichts weiter als eine etwas modischere Formulierung des alten materialistisch-atheistischen Glaubenssatzes, dass nur Materie existiere, nichts als Materie, und dass diese der Grund ihrer selbst sei.  Die Theorie  Hawkings lautet, allein (!) die Gesetze der Physik lieferten die wahre Erklärung dafür, wie das Universum entstanden sei. Der Urknall sei  kein singulärer Anfang sondern,  die unvermeidliche (!) Folge der Naturgesetze gewesen. „Da es ein Gesetz wie das der Gravitation gibt, kann und wird sich das Universum... aus dem Nichts erzeugen“.  Und weiter: „Spontane Erzeugung ist der Grund, warum etwas ist und nicht einfach nichts, warum es das Universum gibt, warum es uns gibt. Es ist nicht nötig, Gott als den ersten Beweger zu bemühen, der das Licht entzündet und das Universum in Gang gesetzt hat“. Das ist der Punkt: Die Bezeichnung „das Nichts“ soll mit schein-physikalischen Argumenten den materialistischen  Atheismus bestätigen. Das ist keine Wissenschaft, sondern schlechte Philosophie.

Auch alles Immaterielle, Geistige wäre  also  nichts anderes als Materiefunktion. Wir alle seien, wie Hawking sagt, Produkte der Quantenfluktuationen im frühen Universum. „Spontaneität“ bedeutet hier: Zufall. Da es unendlich viele Universen gäbe  oder geben könne (Hawking rechnet mit zehn hoch 500), ist es schon rein statistisch fast notwendig (!), dass sich darunter zufällig (!) ein Universum befindet wie das unsere. Nach einer außerhalb dieses Vakuum liegenden ersten Ursache, die etwa dieses Vakuum erst hervorbringt, kann  nicht gefragt werden. Es hat auch keinen zeitlichen Anfang, denn Zeit ist nichts anderes als materielle Bewegung, und die Zeit läuft im Universum in sich zurück (Hawking).

Nichts anderes predigte  der dialektische  und historische Materialismus des Marxismus-Leninismus, nichts anderes auch schon die frühgriechischen Atomistiker Demokrit, Epikur und Leukipp. Es ist immer dasselbe Denkschema:  Schon Anaximander (610-547 v. Chr.) sah als den Urstoff der Welt (die arché) „Das Unendliche“ (ápeiron) an, dem er Unentstandenheit, Unvergänglichkeit, Unzerstörbarkeit (also Ewigkeit), Unerschöpflichkeit sowie die Fähigkeit, alles zu umfassen und zu bestimmen (also Allmacht) zuschrieb. Eine unendliche Zahl galaktischer Systeme könne aus ihm entstehen (vergleiche die Multiversentheorie, die heute von Hawking und anderen vertreten wird!). Schon Xenophanes (570-470 v. Chr.) hat darauf hingewiesen, dass man damit der Materie göttliche Eigenschaften zuschreibe, und Zenon (490-430 v. Chr.) hat erkannt, dass die Annahme einer rein materiellen Ursache der Welt zu keiner Letztbegründung führen könne, sondern immer in einem unendlichen Regress (regressus ad infinitum) möglicher Entstehungsursachen hängen bleibe. (Interpretationen nach W. Windelband, Lehrbuch der Geschichte der Philosophie. H.K.) Man ist sich also einig: Es gibt nur Materie und sonst gar nichts. Sie ist ewig und unvergänglich. Alles Geistige ist nur Produkt, Funktion oder Eigenschaft der Materie. Materie ist einfach alles, was unabhängig von unserem Bewusstsein existiert und von uns als objektive Wirklichkeit wahrgenommen werden kann. Die Entwicklung wird von Zufall gesteuert.  „Materie“ in diesem Sinn kann natürlich auch das Vakuum sein, denn der nähere Begriff der Materie bestimmt sich jeweils nach dem Stand der Naturwissenschaften. Und wie haben die antiken griechischen Atomistiker, gelehrt? Alles besteht aus untereinander gleichen Atomen. Sie existieren immer und ewig. Seit Ewigkeiten haben sie sich nach dem Gesetz der Schwerkraft (vgl. Hawking!) im geradlinigen freien Fall befunden. Durch einen Zufall (vgl. Hawking!) ist einmal ein Atom von dieser Bahn abgewichen und dadurch mit anderen Atomen zusammengestoßen. Daraus mussten Wirbel entstehen und aus diesem dann schließlich die ganze Welt. Im Hintergrund hören wir das monotone Geräusch der philosophiegeschichtlichen Bartwickelmaschine. Dieses Vakuum als das Nichts zu bezeichnen, ist nichts weiter als ein pseudo-philosophischer Bluff, um uns auf ein Modell des materialistischen Atheismus einzuschwören.

Hören wir dazu Aristoteles in der Einleitung zu seiner Metaphysik: „Jedenfalls, soviel steht fest, dass es einen obersten Grund gibt und die Gründe dessen, was ist, nicht ins Unendliche verlaufen können, weder im Sinne einer unendlichen Reihe, noch in dem von unendlich vielen Arten von Gründen. Denn was zunächst die Materie als Grund anbetrifft, so ist es ausgeschlossen, dass das eine ins Unendliche aus dem anderen…  entstehe, ohne dass es darin einen Abschluss gäbe.… Dasselbe gilt nun auch von der Zweckursache. Auch hier kann es nicht ins Unendliche so fortgehen,… Und mit dem begrifflichen Grunde verhält es sich nicht anders. Wenn man nämlich ein Mittleres hat, das zwischen einem Endgliede und einem Anfangsliede liegt, so ist notwendig das Anfangsglied der Grund für das, was auf dasselbe folgt. Denn sollten wir sagen, was von den dreien der Grund ist, so würden wir als solchen doch wohl das Anfangsglied bezeichnen, sicher nicht das Endglied, das als letztes nicht Grund der anderen sein kann; aber auch nicht das Mittelglied, das Grund nur nach der einen Richtung hin ist.… Ist es eine in diesem Sinne des Immerweitergehens unendliche Anzahl, und überhaupt, handelt es sich um eine unendliche Reihe, so haben alle Glieder derselben in gleicher Weise die Stellung von Mittelgliedern bis zu dem hin, von dem die Betrachtung ausgeht. Gäbe es also kein erstes Glied, so gäbe es überhaupt nichts, was als Grund gelten könnte. Andererseits aber, wenn  nun in der Richtung von oben her ein erstes Glied vorhanden ist, so ist es ebenso wenig möglich, nach unten hin vom Grunde zur Folge ins Unendliche fortzugehen… Zugleich ist damit die Notwendigkeit gegeben, dass das erste Glied ewig sein muss und nicht vergänglich sein kann…  Denn es gibt solches, was ewig das bewegt, was bewegt wird, und das erste Bewegende ist selbst unbewegt.“

Wenn also  manche  Chemiker und Physiker  „das Nichts“ in teilweise hymnischen und teilweise polemischen Tönen verkündigen und einige von ihnen trotzdem meinen, Gott sei eben doch die notwendige Bedingung dafür, dass überhaupt irgendetwas existiere und nicht gar nichts, dann ist das ein schreiender Selbstwiderspruch. Man  erinnert  sich an den Ratschlag, den  Mephisto dem etwas beschränkten Famulus  von Doktor Faust gibt: „Zuerst Collegium logicum“. Er macht dann allerdings die Logik sogleich madig, um zu erreichen, dass jener auf logisches Denken verzichtet. Bei etlichen Naturwissenschaftlern scheint das gelungen zu sein. An den berühmten Satz Heideggers „Die Wissenschaft denkt nicht“ (er meinte die starre Fixierung auf das eigene Fachwissen, die infolge ihrer „Seinsvergessenheit“ den Blick für das Ganze der Wirklichkeit verliert und so tut, als könne sie die Welt erklären, obwohl sie doch nur einiges wenige  beobachten und beschreiben kann) sollte man auch als Naturwissenschaftler öfter einmal denken.

 

 

Sind unsere Bibeln zuverlässig?

Hansjürgen Knoche

Kürzlich sind die revidierte  katholische Einheitsbibel und  die revidierte Lutherbibel erschienen. Das gibt einmal Gelegenheit zu der Frage: Wie zuverlässig sind eigentlich die hebräischen und griechischen Texte, die hier ins Deutsche übersetzt werden? Heute beschränken wir uns auf das Neue Testament.

Schon ab etwa 1935 zeigte sich bei der Entzifferung bereits bekannter, aber textlich noch nicht ausgewerteter Papyri, dass die Texte des Neuen Testaments sehr viel älter sein müssen, als die aufklärerische historisch-kritische Methode glauben machen wollte. Das ergibt sich auch aus einem Vergleich mit den großen Werken der antiken Literatur. Wir haben von Matthäus Fragmente aus dem Anfang des dritten und vollständige Texte aus dem Anfang des vierten Jahrhunderts; ebenso von Markus. Von Lukas haben wir vollständige Texte aus dem Ende des zweiten Jahrhunderts, ebenso von Johannes, von dem wir auch noch Fragmente vom Anfang des zweiten Jahrhunderts haben. Erste vollständige Texte von Aristoteles haben wir dagegen aus dem zehnten Jahrhundert von Caesar aus dem Ende des neunten Jahrhunderts von Cicero aus dem vierten Jahrhundert. Keine antike Literatur kommt also zeitlich so nahe an die (samt und sonders verlorenen) Originale heran wie das Neue Testament. Außerdem sind die handschriftlichen  Überlieferungen der neutestamentlichen Texte nicht nur außerordentlich zahlreich, sondern auch außerordentlich gut und zuverlässig. Die bekannten textkritischen Ausgaben des Neuen Testaments, zum Beispiel von Nestle/Aland und Westcott/Hort, verzeichnen rund 250.000 Textvarianten. Auf zwei Worte des Uhrtextes kommen also drei Textvarianten. „Aber dieses Faktum kann nur einen Laien erschrecken. Nach den Ergebnissen der Textkritik stehen sieben Achtel des Textes unzweifelhaft fest. Ein Achtel ist also zweifelhaft, d.h. bei einem Achtel können wir mit wissenschaftlichen Mitteln die ursprüngliche Lesart nicht mehr angeben. Von diese einen Achtel sind aber viele Varianten bedeutungslos, da es sich bloß um orthografische Verschiedenheiten oder Wortumstellungen handelt, die den Sinn überhaupt nicht berühren. Zieht man diese ab, so bleibt nur ein Sechzigstel des Textes, das man als zweifelhaft bezeichnen kann. Von diesem einen Sechzigstel aber ist das meiste inhaltlich unwesentlich, sodass als wesentliche Verschiedenheiten kaum mehr als ein Tausendstel des ganzen Textes infrage steht. Von diesem einen Tausendstel sind wiederum nur wenige Stellen dogmatisch bedeutsam. Und auch diese sind insofern nicht entscheidend, als die biblische Bezeugung der betreffenden dogmatischen Lehren nicht gerade an der einen textlich unsicheren Stelle haftet… Im Allgemeinen kann man in die wissenschaftlich begründete Überzeugung aussprechen, dass sich die wesentliche Textgestaltung unverfälscht erhalten hat“ (Gerhard Kroll, auf den Spuren Jesu, 2002, Seite 70-73 mit Tabellen und weiteren Details).

 

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Die Zeitschrift erscheint zwei- oder dreimal jährlich bei gleichem Gesamtumfang   (insg. ca. 120 Seiten).

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Redaktion: Dr. Hansjürgen Knoche, D-30171 Hannover, Seilerstr. 24

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Verfasser dieses Heftes:

Pfr. Martin Eyring, Ottenseeser Str. 20, 90482 Nürnberg

Dr. Hansjürgen Knoche

Rev. Walter J. Pehl SJB, Ella-Kay-Str. 14, 10405 Berlin

 

Wie Sie unsere ökumenische Arbeit finanziell unterstützen können

Wir mussten öfter die betrübliche Erfahrung machen, dass zwar der gute Wille da war, uns zu helfen, aber es wurde nichts daraus. Entweder wurde es schlicht vergessen  oder es fehlte am „Gewusst, wie" Deshalb möchten wir Ihnen einige Tipps dazu geben. Wir können Ihnen versichern: Es geht kein Cent verloren. Wir sind als eingetragener gemeinnütziger Verein anerkannt und deshalb von Einkommen-, Erbschafts- und Schenkungssteuer befreit. Alles, was Sie uns zuwenden, fließt restlos in unsere Arbeit.

Spende: Die können Sie von der Steuer absetzen. Die erforderliche Bescheinigung erhalten Sie von uns am Jahresende (auf Wunsch auch sofort).

Dauerauftrag: Das beste Mittel, damit es nicht nur bei der guten Absicht bleibt! Erteilen Sie ihn Ihrer Bank oder Sparkasse. Sie können ihn jederzeit widerrufen. Für uns hat er den Vorteil, dass wir einen festen Betrag einplanen können.

Abbuchungsauftrag/Einzugsermächtigung: Sie können uns den Auftrag erteilen, regelmäßig einen bestimmten Betrag von Ihrem Konto abzubuchen. Das erforderliche Formular schickt Ihnen die Geschäftsstelle gern zu. Auch ihn können Sie jederzeit widerrufen.

 Patenabonnement.  Wenn Sie aus Alters- und Gesundheitsgründen unsere „Bausteine" nicht mehr lesen können oder wollen, können Sie noch etwas Gutes tun: Das Abonnement nicht kündigen, sondern als „Pate" weiterführen und uns so die kostenlose Abgabe z.B. an Minderbemittelte oder als Werbeexemplar auf Kirchentagen und ökumenischen Veranstaltungen ermöglichen.

Testament: Oft haben ältere Menschen keine ihnen so nahe stehenden Menschen mehr, die sie sich als Erben wünschen. Es kann sogar passieren, dass letztlich das hinterlassene Vermögen dem Fiskus zufällt, wenn sich keine Erben finden lassen. Deshalb machen Sie doch rechtzeitig ein Testament! Sie könne es eigenhändig schreiben (nicht Schreibmaschine, Computer oder Diktat!), datieren und unterschreiben. Die einfachste Form wäre: „Mein Testament: Ich setze den Bund für evang.-kath. Einheit e.V. in  Crimmitschau /Sachsen  zu meinem Erben ein. … (Ort), den …            (Datum)“,  eigenhändige Unterschrift. - Sie können ein Testament aber auch vor einem Notar errichten.

Vermächtnis: Wenn Sie andere Erben einsetzen, aber uns trotzdem etwas zuwenden wollen, können Sie im Testament ein Vermächtnis für uns aussetzen. Das könnte  etwa lauten: „Ich setze ein Vermächtnis in Höhe von … Euro zugunsten des Bundes für ev.-kath. Einheit  e.V. in Crimmitschau/Sachsen  aus".

Testament hinterlegen!  Oft verschwinden zu Hause aufbewahrte Testamente oder werden nach dem Tod nicht aufgefunden. Deshalb sollten Sie es (gegen geringe Gebühr) beim Amtsgericht (oder einem Notar) hinterlegen. Sie bekommen darüber eine Bescheinigung. Das Amtsgericht oder der Notar verständigt das Standesamt von der Hinterlegung. Im Todesfall benachrichtigt das Standesamt das Amtsgericht, das dann das Testament formell „eröffnet" und die Beteiligten unterrichtet. So kann nichts verloren gehen.

Stiftung: Wenn Sie uns eine größere Geldsumme zuwenden wollen, die auf Dauer erhalten bleiben soll, während die jährlichen Erträge unserer Arbeit zugutekommen, können Sie eine Stiftung errichten. Sie sollte „unselbständig" (nicht rechtsfähig) sein und  vom Stiftungsmanagement Ihrer Bank treuhänderisch verwaltet werden; die meisten Banken bieten diesen Service an. Sie kann auch im Testament errichtet werden. Ihre Bank wird Sie entsprechend  beraten.

Unser Spendenkonto: Bund für ev.-kath. Einheit e.V. VR Genoba Fulda, IBAN DE48 5306 0180 0000 0048 20  BIC GENODE51FUL