Das Letzte aus Knoches Gestammelten Werken:

Nicht ganz jugendfreie Geschichten über einige biblische Damen

Hinweis

Die Namen der in den folgenden Geschichten vorkommenden Damen und der an ihnen Mitwirkenden können aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht öffentlich bekannt gegeben werden. Sollten wider Erwarten einzelne Leserinnen oder Leser den einen oder anderen Namen erraten, sind sie ihrerseits zur Einhaltung der datenschutzrechtlichen Vorschriften verpflichtet. Für diese Ausnahmefälle lehnt die Redaktion jede Verantwortung ab.

Erfolgreiche Zusammenarbeit verschiedener Gewerbezweige

Zumal in Krisenzeiten ist es oft vorteilhaft, wenn verschiedene Gewerbezweige zur Erreichung eines Ziels harmonisch zusammen arbeiten. Ein lehrreiches Beispiel dafür, das sich auch heute noch öfter ereignen soll, erzählt uns die Bibel. Es geht um die Zusammenarbeit zwischen dem ältesten Gewerbe der Welt, also dem verkäuflichen Sex, und dem zweit alten, also der Spionage.

Als Israel nach dem Ende seiner langen Wüstenwanderung in das verheißene Land einzurücken begann, war die erste Stadt, die erobert werden musste, Jericho. Der Oberbefehlshaber, ein umsichtiger Mann, schickte deshalb zunächst zwei Geheimagenten voraus, um die Ver-hältnisse in der Stadt auszuspionieren. Auf der Suche nach einem komfortablen, aber möglichst unauffälligen Nachtquartier landeten sie im Eros-Center der Stadt.

Die Dame, die sie da trafen, bekommt in den Bibelübersetzungen immer eine Berufsbezeichnung, die   klingt, als ob sie als Einzelkämpferin gearbeitet habe. Man kann freilich von Theologen, die im kirchenamtlichen Auftrag Bibelübersetzungen herstellen, keine tieferen Einblicke in diesen Gewerbezweig erwarten. Gelernte Juristen haben hier bedeutend größeren Überblick. Die Einzelheiten der Geschichte zeigen bei sachkundiger Betrachtung deutlich, dass es sich um einen größeren Betrieb gehandelt hat, die Dame also in Wirklichkeit, vornehm ausgedrückt, Directrice dieses Etablissements war.

Ihr Name hat übrigens nichts mit dem scheinbar gleichnamigen urweltlichen Ungeheuer zu tun, das in der Bibel mitunter als Symbol feindlicher Mächte genannt wird. Dieser Name bedeutet soviel wie Stolz, Hochmut, Auflehnung. Der Name der Dame, von der hier die Rede ist, muss wohl aus einer anderen hebräischen Wortwurzel abgeleitet werden, die sich ziemlich eindeutig auf ihren Beruf bezieht und deshalb hier nicht entschlüsselt werden soll.

Die beiden Geheimagenten wurden aber von irgend jemandem verpfiffen, und ein Festnahmekom-mando erschien im Hause der Dame. Hier zeigte sie ihre Schlauheit. Sie sagte: „Freilich sind Männer zu mir hereingekommen, aber ich wusste nicht woher sie waren. Als nach Einbruch der Dunkelheit die Tore geschlossen werden sollten, gingen sie hinaus, ich weiß nicht wohin. Jagt ihnen schnell nach, dann werdet ihr sie einholen“. Diese Antwort war professionell, denn in beiden Gewerbezweigen wird Diskretion groß geschrieben. Das Festnahme-Kommando jagte davon, aber die beiden Agenten waren auf dem Dachboden versteckt, und nun zeigte die erfahrene Gunstgewerblerin nicht nur Schlauheit, sondern auch politischen Weitblick. Sie sagte zu ihnen: „Ich weiß, dass euch der Herr das Land geben wird; denn es hat uns Furcht vor Euch überfallen, und alle Einwohner des Landes sind vor Euch verzagt“. Und dann schlug sie einen Deal vor, der auch prompt ausgeführt wurde: Die Spione wurden in einem Korb über die Stadtmauer hinunter gelassen und konnten entkommen, mussten aber vorher eidlich versprechen, die Dame und ihre Angehörigen im Falle der Einnahme Jerichos zu verschonen. Das Erkennungszeichen für die Eroberer sollte ein aus dem Fenster hängendes Seil in der traditionellen Farbe des Gewerbes sein. So ist es dann auch geschehen. Die eroberte Stadt wurde vollkommen zerstört, nur die Dame und ihre Angehörigen wurden am Leben gelassen. Sie wurde mit der ganzen Familie sicher aus der Stadt hinausgeführt. Offenbar erwarb sich diese schlaue Dame, wie imer sie es angestellt haben mag, sogar noch das Wohlwollen des Heiligen Geistes, denn sie wird später im Neuen Testament als eine der Vorfahrinnen unseres Herrn Jesus genannt.

Freigebigkeit zahlt sich manchmal aus

Wenn sich eine schöne und kluge Frau in freundlichster und höflichster Weise einem Mann nähert und noch dazu mit vielen nützlichen Geschenken bepackt ist, dann schmelzen auch harte Männerherzen. So erging es einem späteren König Israels, der auf der Flucht vor den Killerkommandos seines Vorgängers mit seiner Feischärler-Truppe in das Gebiet eines schwer reichen Mannes kam, dessen Name übersetzt „Trottel“ oder „Dummkopf“ bedeutet. Die Flüchtlinge baten höflich um Proviant, aber der Mann weigerte sich und wurde auch noch pampig. Die Schnapphähne machten sich zum Kampf bereit.

Wieder einmal musste eine kluge und diplomatische Frau eine Prügelei zwischen aufgebrachten Männern verhindern. Die Frau des Dummkopfs nahm zweihundert Brote, zwei Krüge Wein, fünf zum Braten zubereitete Schafe, fünf Maß Röstkorn, hundert Rosinenkuchen und zweihundert Feigenkuchen, lud alles auf einen Esel und zog damit den schon ziemlich heruntergekommenen Landstreichern entgegen. Ihre Ansprache an den rauflustigen Anführer war ein Meisterstück weiblicher Diplomatie nach der Devise: Männern gegenüber kann man gar nicht dick genug auftragen. Sie sagte ihm allen erdenklichen Segen, nicht zuletzt einen großen Harem, und das künftige Königtum über ganz Israel voraus und entschuldigte sich für ihren Döskopf von Ehegatten. 

Der Anführer war entsprechend beeindruckt und wohl auch geschmeichelt, bedankte sich bei der schönen Frau und sagte: „Zieh mit Freuden hinauf in dein Haus; siehe, ich habe auf deine Stimme gehört und dein Antlitz wieder erhoben“.

Zehn Tage später starb der Dummkopf, und die schöne und kluge Witwe nahm den Heiratsantrag des künftigen Königs an. Sie wurde die Mutter seines zweiten Sohnes. Auch später, als er sich schon einen ansehnlichen Harem zusammengestellt und zahlreiche Söhne bekommen hatte, blieb sie als seine erste Haremsdame bei ihm.

 Gefahren des Nacktbadens

Jedermann und jedefrau sollten wissen, dass nacktes Baden niemals ganz ungefährlich ist, nicht einmal, wenn die Badewanne im eigenen Schrebergarten steht. Schon die Bibel warnt uns vor den damit verbundenen Risiken. Leider wird auf diesem Gebiet aber immer wieder gegen elementare Sicherheitsgrundsätze verstoßen.

So war auch die Dame, von der hier erzählt werden soll, zu leichtsinnig. Zwar hatte sie vor dem Besteigen der Badewanne die Gartentür abgeschlossen, aber was Gartenzäune bewirken, weiß man doch nun schon aus seiner Kindheit: Sie halten bestenfalls Kaninchen ab, niemals aber Obstdiebe oder noch schlimmere Subjekte, sondern laden diese eher zum Drübersteigen ein.

In diesem Fall waren es bedauerlicherweise zwei Justizangehörige, die sich zwar als Respektspersonen gaben, in Wirklichkeit aber alte Spanner waren. Sie gierten schon lange nach der offenbar attraktiven Dame und belauerten sie, um ein Rendezvous zu Dritt zu erschleichen. Nun traten sie vor ihre Badewanne und sagten zu ihr: „Das Gartentor ist verschlossen, und niemand sieht uns; wir brennen vor Verlangen nach dir: Sei uns zu Willen, und gib dich uns hin! Weigerst du dich, dann bezeugen wir gegen dich, dass ein junger Mann bei dir war“. Durch diese unverschämte Erpressung brachten die beiden alten Voyeure die Dame in eine Zwangslage. Sie sagte: „Ich bin bedrängt von allen Seiten: Wenn ich es tue, so droht mir der Tod; tue ich es aber nicht, so werde ich euch nicht entrinnen. Es ist besser für mich, es nicht zu tun und euch in die Hände zu fallen, als gegen den Herrn zu sündigen“.

Dann schrie sie laut um Hilfe. Die beiden Lustgreise schrieen aber ebenfalls und behaupteten nun, sie hätten die Dame mit einem jungen Mann, der ihnen aber leider entkommen sei, beim gemeinsamen FKK-Vergnügen, wenn nicht gar bei noch frivoleren Spielchen, im Garten ertappt. Es kam zur Gerichtsverhandlung. Die versammelte Gemeinde glaubte ihren Aussagen mehr als denen der Dame, „weil sie Älteste des Volkes und Richter waren“, und verurteilte die Dame kurzer Hand zum Tode.

Als sie schon zur Hinrichtung geführt wurde, kam ihr in letzter Minute ein junger Mann zu Hilfe, der später unglücklicherweise den Beruf des Propheten ergriffen hat, anstatt sein offensichtliches Talent als trickreicher Strafverteidiger weiter zu entwickeln. Wie es solche Advokaten auch heute machen, warf er zunächst nach allen Seiten mit Befangenheitsanträgen um sich, um das bisherige Verfahren madig zu machen. Dann forderte er Wiederaufnahme des Verfahrens und wendete noch  einen besonders tückischen  prozessualen Trick an: Er verlangte nämlich Beweise!

Solche strafprozessualen Finessen nehmen heute leider überhand und führen oft zu viel zu langen Strafverfahren. Leider enden sie immer seltener mit dem energischen Urteil: Strafmildernd konnte berücksichtigt werden, dass dem Angeklagten die Tat nicht bewiesen werden kann. Strafverschärfend muss jedoch ins Gewicht fallen, dass sie ihm ohne weiteres zuzutrauen ist.

Auch hier wurden also zunächst Beweise gefordert und die beiden angesehenen Justizpersonen der Falschaussage bezichtigt. Das junge juristische Naturtalent verhörte sie nun getrennt und wandte dabei eine weitere prozessuale List an: Er befragte jeden, was das für ein Baum gewesen sei, unter dem er angeblich die Dame mit dem fremden jungen Mann zusammen gesehen habe. Der eine antwortete: Unter einer Zeder, der andere aber sagte: Unter einer Eiche. Damit war die Falschaussage bewiesen. Die Stimmung der Gemeinde richtete sich jetzt gegen die beiden sex-besessenen Richter. Sie wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Die geneigten Leserinnen und Leser werden bemerkt haben, dass wir aus grundsätzlichen Erwägungen solche Auswüchse der Verlängerung von Strafprozessen nicht billigen. In diesem Falle können wir sie unter Zurückstellung unserer Bedenken ausnahmsweise tolerieren, da die Dame nach dem klaren biblischen Zeugnis tatsächlich unschuldig war. Gegen die Bibel kommt man nicht an.

Das typische Ende einer Vatertags-Partie

Als wieder einmal übermächtige Feinde in Israel eingefallen waren, belagerten sie eine kleine Stadt, in der auch eine schöne junge Witwe lebte. Sie gab ein Beispiel für die alte Weisheit, dass in brenzligen Situationen Frauen oft die einzigen Männer sind. Den verzweifelten Führern der belagerten Stadt sprach sie Mut zu und riet ihnen von der bereits beschlossenen Kapitulation ab. Sie sagte ihnen zu, die Angelegenheit allein und auf weibliche Weise zu erledigen. Dann betete sie lange und inbrünstig und bat um göttlichen Beistand für ihr Vorhaben. Sie zog Bußgewand und Witwenkleider aus, badete gründlich, machte großes Make-up, warf sich mit ihrem elegantesten Outfit in Schale und machte sich auf den Weg in das Feldlager des Feindes.

Die gegnerischen Vorposten beglotzten sie erst lüstern, erkannten aber schnell: Diese schöne und elegante Wuchtbrumme kam für sie nicht in Frage, sondern nur für ihren Oberbefehlshaber, der bekannt dafür war, dass er in dieser Beziehung nichts anbrennen ließ. So gelangte sie schnell in sein Quartier und versprach ihm mit weiblicher List einige nützliche Tipps zur Eroberung der Stadt.

Natürlich gefiel das dem Feldherrn. Sie wurde zum festlichen Abendessen eingeladen. Der Feldherr, so berichtet die Bibel „war über sie ganz außer sich vor Entzücken. Seine Leidenschaft entbrannte, und er war begierig danach, mit ihr zusammen zu sein. Denn seit er sie gesehen hatte, lauerte er auf eine günstige Gelegenheit, um sie zu verführen“.

Aber aus lauter Vorfreude über das, was er sich in Gedanken bereits plastisch ausmalte, trank er so viel Wein, dass er schließlich sturzbetrunken war. In diesem Zustand neigen Männer häufig dazu, ihre noch verbliebenen Fähigkeiten zu überschätzen. Es geht ihnen ähnlich wie jenen modernen Möchtegern-Künstlern, die nicht begreifen, dass Kunst von Können kommt und nicht von Wollen, da sie sonst Wulst heißen würde.  Beim so genannten Vatertag kann man dieses Phänomen massenweise beobachten. Haben wir es also hier vielleicht mit dem ältesten historischen Zeugnis für eine Vatertags-Orgie tu tun? Die wissenschaftliche Exegese sollte dieser interessanten Frage größere Aufmerksamkeit widmen.

Die Gäste wankten also nach und nach benebelt davon. Unsere Heldin blieb mit dem großen Strategen allein im Zelt zurück, wo er „vom Wein übermannt, vornüber auf sein Lager gesunken war“. Nicht ohne vorher noch einmal inbrünstig gebetet zu haben, schnappte sie sich den Schleppsäbel des Feldherrn und schlug ihm den Kopf ab. Den verstaute sie in ihrer Pompadour und brachte ihn im Triumph in die belagerte Stadt zurück. Die Verteidiger fassten wieder Mut, im feindlichen Heerlager machte sich Verwirrung breit, die Generäle waren ohne den Oberbefehlshaber  noch hilfloser als sonst, und das feindliche Heer zog ab.  

Wie man als Frau ein Staatsoberhaupt um den Finger wickelt

Diese Geschichte spielt zur Zeit eines großen Perserkönigs in dessen Hauptstadt Susa. Dort lebte zusammen mit ihrem Onkel und Pflegevater eine schöne junge Jüdin, die eigentlich Hadassa, also Myrthe hieß, später aber einen persischen Hofnamen bekam, der so viel wie „Stern“ bedeutet. Dazu kam es folgendermaßen:

Eines Tages feierte der König in seinem Palast ein rauschendes Fest und wollte dort seine Frau, die Königin, sehen. Die gab aber gerade ein Fest für die Hofdamen und weigerte sich, vor dem König zu erscheinen. Der König fragte seine engsten Mitarbeiter, was er nun tun solle. Unter denen gab es offenbar viele Pantoffelhelden, die jetzt die Chance zur Rebellion gegen ihre stärkeren Hälften sahen. Sie machten deshalb daraus eine Staatskrise und rieten dem König: “Die Königin hat sich nicht nur am König vergangen, sondern auch an seinen Fürsten, ja am ganzen Volk in allen Provinzen des Reiches. Was sie getan hat, wird sich unter allen Frauen herumsprechen. Sie werden auf ihre Männer herabsehen und sagen: `Der König  befahl der Königin, vor ihm zu erscheinen; aber sie weigerte sich’. Die Frauen der Fürsten im Reich haben es gehört und sie werden sich schon heute ihren Männern gegenüber darauf berufen. Das wird eine Menge böses Blut geben. Wenn der König es für richtig hält, sollte er einen königlichen Befehl erlassen, dass die Königin nie wieder vor ihm erscheinen darf. Dies müsste unter die Gesetze der Meder und Perser aufgenommen werden, die unwiderruflich sind. Und dann sollte der König an ihrer Stelle eine andere zur Königin machen, die diese Würde auch verdient. Wenn dieser Beschluss des Königs in seinem ganzen Reich bekannt wird, werden alle Frauen, von den vornehmsten bis zu den einfachsten Familien, ihren Männern den schuldigen Respekt erweisen“.

So geschah es dann auch, und die Königin wurde verstoßen. Nun musste eine neue her, und im ganzen Land begann eine Suche nach einer Auswahl von schönen Mädchen. Auch die junge Jüdin schien als Haremsdame-Anwärterin geeignet und wurde zusammen mit den anderen Azubis in die Residenz des Chefeunuchen gebracht, um dort ein Jahr lang bei erstklassiger Verpflegung und intensiver Körperpflege Grundlagen der Hofetikette und Harems-Sitten zu erlernen.

Den abschließenden praktischen Eignungstest beim König bestand sie summa cum laude. Der König war sofort Feuer und Flamme für sie und machte sie zur neuen Königin.

Der Ministerpräsident nun war, was bei uns heute glücklicherweise nicht mehr vorkommt, nicht nur ein schlimmer Finger, sondern auch  noch maßlos eitel. Er verlangte von allen Hofbeamten, also auch vom Onkel unserer Titelheldin, täglich zur Huldigung vor ihm niederzuknien und sich tief vor ihm zu verneigen. Der Onkel aber verweigerte dem Wesir täglich die vorgeschriebene Ehrenbezeigung. Mit religiösen Gründen war das eigentlich nicht zu erklären, denn das Alte Testament kennt durchaus die Praxis des Niederknieens oder sich Niederwerfens vor Königen und anderen ehrwürdigen Personen. Der Wesir aber war Amalekiter, und diese waren Todfeinde der Israeliten, gegen die König Saul viele Kämpfe führen musste.

Deshalb wohl wollte der Onkel sich nicht vor ihm verneigen, und daraus erklärt sich dann auch der wilde Hass gegen die Juden, den der Wesir nun zeigte. Er überredete den König, ein Edikt zu erlassen, dass alle Juden im Reich getötet und ihre Vermögen eingezogen werden sollten. Durch Losentscheid ließ er den 13. Tag des Monats Adar als Pogromtermin bestimmen. An diesem Tag feiern also die Juden bis heute das Purimfest. Purim heißt: Lose.

Der Onkel der jungen Königin war tief erschrocken und beschwor sie, beim König gegen dieses barbarische Vorhaben zu intervenieren. Sie wusste, dass sie dabei mit ihrem Leben spielte, und ließ die jüdische Gemeinde drei Tage lang für ihre Vorhaben beten und fasten.

Nun musste sie mutig und zugleich listig vorgehen, denn es galt das eiserne Gesetz, dass jeder sterben musste, der ungerufen vor den König treten wollte. Nur wenn der König ihm das goldene Zepter entgegenstreckte, wurde er am Leben gelassen. Unsere Titelheldin war aber schon dreißig Tage lang nicht mehr zum König gerufen worden.

Für unseren Kulturkreis, in dem es immer noch eine beachtliche Zahl von Anhängern der Einehe gibt, erscheint dieser Zeitraum vielleicht als außergewöhnlich lang. Man muss hier aber bedenken, dass der König einen sehr großen Harem und andere Staatsgeschäfte zu erledigen hatte.

 Trotzdem begab sie sich nun mutig in den Thronsaal, wurde vom König, der immer noch in sie verliebt war, freundlich begrüßt und durfte also am Leben bleiben. Sie enthüllte ihm nun ihre jüdische Herkunft und flehte den König um Gnade für ihr Volk an. Er gab sich ahnungslos, wie das Politiker früher öfter taten, und fragte: „Wer wagt so etwas? Wo ist der Mann, der so schändliche Pläne ausheckt”? Die Königin antworte ihm: „Unser Todfeind ist dieser böse Ministerpräsident hier“. Der König verurteilte ihn zum Tode und ließ ihn an dem Galgen aufhängen, den er bereits für den Onkel der neuen Königin hatte errichten lassen. Der wurde nun neuer Ministerpräsident. Der König erließ ein neues Edikt und erlaubte den Juden die Selbstverteidigung. Sie konnten alle Angreifer besiegen. Die Königin und der neue Ministerpräsident riefen daraufhin in Rundschreiben an alle jüdischen Gemeinden das Purimfest aus, bei dem die Juden noch heute traditionell den Namen jenes eitlen Wesirs und schlimmen Fingers schmähen.

- Endlich Ende -