Endlich ein gut verständlicher Gottesbeweis

Hansjürgen Knoche

Bibel und Kirche

Schon im Alten Testament (Weish 13,1-9) heißt es: „Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht“. Paulus sagt in  Röm 1,20: „Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar“. Das Neue Testament kennt den Gottesbeweis aus der Grundbedürftigkeit der Schöpfung, der Geschichte und der absoluten Verbindlichkeit des Gewissens. Die Kirche lehrt verbindlich, dass Gott aus den geschaffenen Dingen durch das natürliche Licht der Vernunft mit Sicherheit erkannt werden kann (Vat. I, DH 3026), woraus mit theologischer Sicherheit  folgt, dass sein Dasein mittels des Kausalschlusses bewiesen werden kann (Sententia fidei proxima, DH 3537 ff).

Bisherige Versuche

Die im Mittelalter entstandenen klassischen Gottesbeweise von Anselm von Canterbury (ontologischer Beweis) und Thomas von Aquin (physiko-theologischer Beweis) werden wie eh und je diskutiert. Heute werden auch an modernen Wissenschaftsdisziplinen orientierte Beweise diskutiert, vor allem der kosmologische Beweis mittels Mathematik von Robert Meyer, der teleologische Beweis mittels Informatik von Werner Gitt und der kumulative Beweis mittels Bestätigungstheorie von Richard Swinburne.

Ein neuer Beweis auf grammatischer Basis

Während diese Beweisverfahren philosophisch kompliziert sind oder mit mathematischen Formeln arbeiten, die nicht für alle verständlich sind, hat nun der Philosoph Robert Spaemann einen neuen Gottesbeweis mithilfe der Grammatik vorgeschlagen (Der Gottesbeweis. Warum wir, wenn es Gott nicht gibt, überhaupt nichts denken können. Abgedruckt in: Die Welt vom 26.3.2005, von mir auf der Website eingesehen am 21.1.2016; Robert Spaemann, Der letzte Gottesbeweis, München 2007. Auf dieses Buch, S. 31 f,  stütze ich die folgende Beschreibung). Dieser Beweis erfordert nur eine kurze Rückbesinnung auf unsere Deutschkenntnisse aus dem Schulunterricht. Er stützt sich nämlich auf das sogenannte Futurum exactum, in der deutschen Sprachlehre als Futurum 2 bezeichnet, also die Zeitform der vollendeten Zukunft, die ursprünglich einen abgeschlossenen Vorgang in der Zukunft bezeichnet: Etwas „wird gewesen sein“. Zum Beispiel: „Nächste Woche werde ich mein Examen bestanden haben“. Das entspricht nicht mehr dem heutigen Sprachgebrauch. Wir würden heute sagen: „Nächste Woche habe ich mein Examen bestanden“. Das ursprüngliche Futurum 2 drückt heute meist eine Vermutung aus: „Die fehlende Wurst wird der Hund gemopst haben“. Das ändert aber nichts daran, dass es tatsächlich Handlungen und Zustände gibt, die in der Zukunft abgeschlossen sein werden. Dieses „reale“ Futurum exactum liegt der Beweisführung von Spaemann zu Grunde.

Spaemanns Beweisführung

Der Beweisgang (er nimmt in dem zitierten Büchlein von 128 Seiten knapp zwei Druckseiten ein) geht so: Das Futurum exactum ist denknotwendig mit dem Präsens (der Gegenwartsform) verbunden. Von etwas zu sagen, es sei jetzt, ist gleichbedeutend damit, zu sagen, es sei in Zukunft gewesen. In diesem Sinn ist jede Wahrheit ewig: Was einmal wahr ist, wird auch in aller Zukunft wahr gewesen sein. Das Gegenwärtige bleibt als das zukünftig Gewesene immer wirklich. Die menschliche Erinnerung  (Gedächtnis, Überlieferung, Bericht, Urkunde usw.)  erlischt irgendwann, spätestens, wenn es keine Menschen mehr auf der Erde gibt. Es ist aber unsinnig und deshalb undenkbar, zu meinen, dann werde nicht mehr wahr gewesen sein, was sich hier und heute  ereignet hat. Wenn wir einmal nicht mehr hier gewesen sein würden, dann wären wir tatsächlich auch jetzt nicht hier, was sich aus dem untrennbaren Zusammenhang von Gegenwart und Futurum exactum ergibt. Das ewige Wahrsein dessen, was einmal wahr gewesen ist, kann also nicht nur in unserem menschlichen Bewusstsein liegen. Wir müssen vielmehr ein Bewusstsein annehmen, in dem alles, was geschieht und einmal geschehen sein wird, für immer aufgehoben ist, also ein absolutes und universales Bewusstsein. Das Futurum 2 erzwingt das Postulat eines solchen  absoluten Bewusstseins und universalen Gedächtnisses, das nur Gott haben kann.

 

 

Mögliche Folgerungen

Spaemanns Beweis könnte m. E. für einige weitere Fragen Erklärungshinweise geben. Etwa für die Lehre von der Auferstehung der Toten. Ökumenische Einigkeit besteht darüber, dass alle Toten am Ende der Zeiten auferstehen und zusammen mit den dann noch Lebenden zum Weltgericht erscheinen werden. Wo bleiben wir aber nach unserem Tod bis zu jenem jüngsten Tag, an dem alle Toten auferstehen? Gibt es bis dahin eine Trennung von Leib und Seele? Wo bleibt dann die Seele bis zur Wiedervereinigung mit dem Leib am jüngsten Tag? Nach der heutigen Informationstheorie könnte die Seele als ein Informationsprogramm verstanden werden, also eine Software, die sämtliche Informationen über einen Menschen, nicht nur die leiblichen, sondern auch alle geistigen Informationen und das gesamte Lebensbild dieses Menschen enthält. Software (Information) ist ein gedankliches Gebilde, das ohne einen Informationsträger, also eine Hardware, nicht existieren kann. Bis zur leiblichen Auferstehung scheint dem Informationsprogramm „Seele“ ein solcher Datenträger zu fehlen. Vielleicht könnte sie bis dahin als unser Futurum exactum  im Gedächtnis Gottes aufbewahrt sein.

Auch ein besseres Verständnis von Evolution könnte durch Spaemanns Beweis vielleicht möglich werden. Die Frage ist, ob wir die Evolution des Lebens auf der Erde heute richtig verstehen oder noch in materialistischen und darwinistischen Vorurteilen befangen sind. So, wie Evolution bisher verstanden wird, müsste es gleitende biologische Übergänge (Links), also richtige „Stammbäume“ etwa zwischen den Hominiden, dem Homo erectus, dem Neandertaler und dem heutigen Menschen (homo sapiens sapiens) geben, analog auch bei allen Tierarten. Kein solcher Übergang ist bisher gefunden worden. Graduelle Mutationen konnten bisher nur innerhalb einer bestimmten Tierart nachgewiesen werden. Das ist Mikroevolution. Für die Makroevolution, also die Entstehung neuer Arten ist bisher noch kein einziges Beispiel gefunden worden. Es gibt Evolution, aber sie verläuft vielleicht anders als bisher angenommen. Der Schöpfungsplan hat vielleicht bestimmten Lebewesen in bestimmten Erdperioden, in denen die Umwelt gerade für diese Lebewesen geeignet war, ihre zeitliche Existenz zugewiesen. Neue Arten sind in neuer, für sie günstiger Umwelt entstanden. Sie waren und sind höher entwickelt als die ausgestorbenen Arten, aber sie bewahren zukunftsgeeignete Eigenschaften der früheren Epochen auf und integrieren sie in die höhere Lebensform. Wie geht das aber, wenn es keine erkennbaren Übergänge und Übertragungen gibt? Das Futurum exactum alles Vergangenen bleibt in Gottes universalem Gedächtnis und kann von ihm in vollkommener Form wieder belebt werden. Die früheren Lebensformen könnten also  als Futurum exactum im Gedächtnis Gottes bewahrt sein, der ihren Informationspool an die höhere Entwicklungsstufe weitergibt. 

 „Töricht waren aber von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Wenn sie durch ihren Verstand schon fähig waren, die Welt zu erforschen, warum fanden sie dann nicht eher den Herrn der Welt?“ ( Weish 13, 1-9).

Endlich ein verständlicher Gottesbeweis

Hansjürgen Knoche

Bibel und Kirche

Schon im Alten Testament (Weish 13,1-9) heißt es: „Töricht waren von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht“. Paulus sagt in  Röm 1,20: „Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind sie unentschuldbar“. Das Neue Testament kennt den Gottesbeweis aus der Grundbedürftigkeit der Schöpfung, der Geschichte und der absoluten Verbindlichkeit des Gewissens. Die Kirche lehrt verbindlich, dass Gott aus den geschaffenen Dingen durch das natürliche Licht der Vernunft mit Sicherheit erkannt werden kann (Vat. I, DH 3026), woraus mit theologischer Sicherheit  folgt, dass sein Dasein mittels des Kausalschlusses bewiesen werden kann (Sententia fidei proxima, DH 3537 ff).

Bisherige Versuche

Die im Mittelalter entstandenen klassischen Gottesbeweise von Anselm von Canterbury (ontologischer Beweis) und Thomas von Aquin (physiko-theologischer Beweis) werden wie eh und je diskutiert. Heute werden auch an modernen Wissenschaftsdisziplinen orientierte Beweise diskutiert, vor allem der kosmologische Beweis mittels Mathematik von Robert Meyer, der teleologische Beweis mittels Informatik von Werner Gitt und der kumulative Beweis mittels Bestätigungstheorie von Richard Swinburne.

Ein neuer Beweis auf grammatischer Basis

Während diese Beweisverfahren philosophisch kompliziert sind oder mit mathematischen Formeln arbeiten, die nicht für alle verständlich sind, hat nun der Philosoph Robert Spaemann einen neuen Gottesbeweis mithilfe der Grammatik vorgeschlagen (Der Gottesbeweis. Warum wir, wenn es Gott nicht gibt, überhaupt nichts denken können. Abgedruckt in: Die Welt vom 26.3.2005, von mir auf der Website eingesehen am 21.1.2016; Robert Spaemann, Der letzte Gottesbeweis, München 2007. Auf dieses Buch, S. 31 f,  stütze ich die folgende Beschreibung). Dieser Beweis erfordert nur eine kurze Rückbesinnung auf unsere Deutschkenntnisse aus dem Schulunterricht. Er stützt sich nämlich auf das sogenannte Futurum exactum, in der deutschen Sprachlehre als Futurum 2 bezeichnet, also die Zeitform der vollendeten Zukunft, die ursprünglich einen abgeschlossenen Vorgang in der Zukunft bezeichnet: Etwas „wird gewesen sein“. Zum Beispiel: „Nächste Woche werde ich mein Examen bestanden haben“. Das entspricht nicht mehr dem heutigen Sprachgebrauch. Wir würden heute sagen: „Nächste Woche habe ich mein Examen bestanden“. Das ursprüngliche Futurum 2 drückt heute meist eine Vermutung aus: „Die fehlende Wurst wird der Hund gemopst haben“. Das ändert aber nichts daran, dass es tatsächlich Handlungen und Zustände gibt, die in der Zukunft abgeschlossen sein werden. Dieses „reale“ Futurum exactum liegt der Beweisführung von Spaemann zu Grunde.

Spaemanns Beweisführung

Der Beweisgang (er nimmt in dem zitierten Büchlein von 128 Seiten knapp zwei Druckseiten ein) geht so: Das Futurum exactum ist denknotwendig mit dem Präsens (der Gegenwartsform) verbunden. Von etwas zu sagen, es sei jetzt, ist gleichbedeutend damit, zu sagen, es sei in Zukunft gewesen. In diesem Sinn ist jede Wahrheit ewig: Was einmal wahr ist, wird auch in aller Zukunft wahr gewesen sein. Das Gegenwärtige bleibt als das zukünftig Gewesene immer wirklich. Die menschliche Erinnerung  (Gedächtnis, Überlieferung, Bericht, Urkunde usw.)  erlischt irgendwann, spätestens, wenn es keine Menschen mehr auf der Erde gibt. Es ist aber unsinnig und deshalb undenkbar, zu meinen, dann werde nicht mehr wahr gewesen sein, was sich hier und heute  ereignet hat. Wenn wir einmal nicht mehr hier gewesen sein würden, dann wären wir tatsächlich auch jetzt nicht hier, was sich aus dem untrennbaren Zusammenhang von Gegenwart und Futurum exactum ergibt. Das ewige Wahrsein dessen, was einmal wahr gewesen ist, kann also nicht nur in unserem menschlichen Bewusstsein liegen. Wir müssen vielmehr ein Bewusstsein annehmen, in dem alles, was geschieht und einmal geschehen sein wird, für immer aufgehoben ist, also ein absolutes und universales Bewusstsein. Das Futurum 2 erzwingt das Postulat eines solchen  absoluten Bewusstseins und universalen Gedächtnisses, das nur Gott haben kann.

 

 

Mögliche Folgerungen

Spaemanns Beweis könnte m. E. für einige weitere Fragen Erklärungshinweise geben. Etwa für die Lehre von der Auferstehung der Toten. Ökumenische Einigkeit besteht darüber, dass alle Toten am Ende der Zeiten auferstehen und zusammen mit den dann noch Lebenden zum Weltgericht erscheinen werden. Wo bleiben wir aber nach unserem Tod bis zu jenem jüngsten Tag, an dem alle Toten auferstehen? Gibt es bis dahin eine Trennung von Leib und Seele? Wo bleibt dann die Seele bis zur Wiedervereinigung mit dem Leib am jüngsten Tag? Nach der heutigen Informationstheorie könnte die Seele als ein Informationsprogramm verstanden werden, also eine Software, die sämtliche Informationen über einen Menschen, nicht nur die leiblichen, sondern auch alle geistigen Informationen und das gesamte Lebensbild dieses Menschen enthält. Software (Information) ist ein gedankliches Gebilde, das ohne einen Informationsträger, also eine Hardware, nicht existieren kann. Bis zur leiblichen Auferstehung scheint dem Informationsprogramm „Seele“ ein solcher Datenträger zu fehlen. Vielleicht könnte sie bis dahin als unser Futurum exactum  im Gedächtnis Gottes aufbewahrt sein.

Auch ein besseres Verständnis von Evolution könnte durch Spaemanns Beweis vielleicht möglich werden. Die Frage ist, ob wir die Evolution des Lebens auf der Erde heute richtig verstehen oder noch in materialistischen und darwinistischen Vorurteilen befangen sind. So, wie Evolution bisher verstanden wird, müsste es gleitende biologische Übergänge (Links), also richtige „Stammbäume“ etwa zwischen den Hominiden, dem Homo erectus, dem Neandertaler und dem heutigen Menschen (homo sapiens sapiens) geben, analog auch bei allen Tierarten. Kein solcher Übergang ist bisher gefunden worden. Graduelle Mutationen konnten bisher nur innerhalb einer bestimmten Tierart nachgewiesen werden. Das ist Mikroevolution. Für die Makroevolution, also die Entstehung neuer Arten ist bisher noch kein einziges Beispiel gefunden worden. Es gibt Evolution, aber sie verläuft vielleicht anders als bisher angenommen. Der Schöpfungsplan hat vielleicht bestimmten Lebewesen in bestimmten Erdperioden, in denen die Umwelt gerade für diese Lebewesen geeignet war, ihre zeitliche Existenz zugewiesen. Neue Arten sind in neuer, für sie günstiger Umwelt entstanden. Sie waren und sind höher entwickelt als die ausgestorbenen Arten, aber sie bewahren zukunftsgeeignete Eigenschaften der früheren Epochen auf und integrieren sie in die höhere Lebensform. Wie geht das aber, wenn es keine erkennbaren Übergänge und Übertragungen gibt? Das Futurum exactum alles Vergangenen bleibt in Gottes universalem Gedächtnis und kann von ihm in vollkommener Form wieder belebt werden. Die früheren Lebensformen könnten also  als Futurum exactum im Gedächtnis Gottes bewahrt sein, der ihren Informationspool an die höhere Entwicklungsstufe weitergibt. 

 „Töricht waren aber von Natur alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Sie hatten die Welt in ihrer Vollkommenheit vor Augen, ohne den wahrhaft Seienden erkennen zu können. Wenn sie durch ihren Verstand schon fähig waren, die Welt zu erforschen, warum fanden sie dann nicht eher den Herrn der Welt?“ ( Weish 13, 1-9).